Gruselnachtgeschichten

übers Leben, Lieben und Leiden

36° und es wird noch heißer, mach den Beat endlich wieder leiser.

Ok, zugegeben, es sind keine 36 sondern »nur« 29, die sich allerdings anfühlen wie 49°. Alles schwitzt und schnauft, flipflopt und schleift sich durch die dicke Hitze die sich durch die Innenstadt rollt. Sie ist so dick, dass man sie gut und gerne mit einem stumpfen Buttermesser schneiden könnte. Ich hatte meine Wohnung irgendwie auf arktische Temperaturen runtergekühlt, indem ich mich wie ein Maulwurf hinter Jalousien und Gardinen verschanzte, doch der gähnend leere Kühlschrank forderte einen Marsch zum Supermarkt. Ich kämpfte mich zur Bushaltestelle, versuchte irgendwie die stickige puffige Luft zu ignorieren und mich gedanklich in eine Kühltruhe zu legen, als ich bemerkte dass ich mein Portemonnaie Zuhause vergessen hatte. Ich überlegte schon ob ich heute vielleicht doch nur von trockenem Brot und Leitungswasser zehren sollte, da sich jede Faser in meinem Körper dagegen sträubte wieder in die Wohnung und dann zurück zum Bus zu stapfen, doch das leckere Eis und die kühle Apfelschorle im Supermarkt schrien unaufhörlich meinen Namen. 10 Minuten später stand ich also wieder am Bus, schon völlig bis auf den Schlüpper durchgeschwitzt und so ausgelaugt, als hätte ich bereits einen Marathon hinter mir. Normalerweise beobachte ich gerne die Leute im Bus, vor allem auf dieser Route…      »Weiterlesen

Marschmusik mit Porree

Meisten geht mir diese Erinnerungsfunktion bei Facebook ziemlich auf die Eier(stöcke). Was interessiert es mich, welchen verbalen Dünnschiss ich vor 8 Jahren geschrieben habe? Wollen Mark Zuckerberg und Co dass ich mich schäme? Ich denke, dafür ist diese Funktion gemacht. Sodass sich die ganzen armen Facebook-User darüber schämen, was sie so vor Jahren gedacht, gesagt und geteilt haben. Als mir Facebook vor ein paar Tagen aber eine Erinnerung zeigte, die ich schon völlig vergessen hatte, musste ich grinsen. »Nachbarsopa hört wieder Marschmusik & dirigiert mit einer Stange Porree.« Ich finde es immer unglaublich traurig, wenn man jemanden fast jeden Tag aus der Ferne sieht, wie zum Beispiel einen Nachbar aus dem Haus gegenüber, sich an seinen lustigen Marotten erfreut, die Person dann aber schnell vergisst, wenn sie nicht mehr da ist. Manchmal fällt einem gar nicht auf, dass sie weg ist. So ging es mir mit dem Marsch-Opa. Er wohnte jahrelang im Haus gegenüber, ein Stockwerk über meinem. Die etwas vergilbten Spitzengardinen waren fast immer zur Seite gezogen, sodass man perfekten Blick auf die Eiche-Rustikaleinrichtung und die etwas antiken Lampen die herumstanden und wilden Öl-Bilder an den Wänden hatte. Eine Frau habe ich nie bei ihm gesehen, so nahm ich…      »Weiterlesen

Autokorrektur des Tages Nr.1

Der Abfall fällt nicht weit vom Stamm

Erkältung, Alkoholweiber und der Stuhlgang

Mit bestialischen Kopf- und Gliederschmerzen bei Penny einkaufen. Trotz komplett verrotzer Nase zieht der üble abgestandene Alkgeruch aus dem Pfandautomaten in meinen Riechkolben und vernebelt mir kurzzeitig die Sinne. Eine Gruppe quietschender Weiber rumpelt an mir vorbei. “Was bist du denn so aufgedreht? Hast du nicht gekackt?” “Nee, das letzte Mal Donnerstag Morgen!” “Wir haben nur 8 Flaschen Jägermeister, da brauchen wir noch mehr!” Ich quetsche mich an den Alkoholiker-Weibern vorbei und decke mich mit Hühnernudelsuppe in Dosen ein und nehme auf dem Rückweg noch Eis und literweise Wasser mit. Ich schleppe mich zu den überfüllten Kassen. Wie immer spiele ich mein Lieblingsspiel: erraten was die Leute anhand ihrer Einkäufe vorhaben. Das Pärchen vor mir kauft eine Flasche Korn, eine Tube Zahnpasta und zwei Packungen Kaugummi. Ich stehe auf dem Schlauch. Gott sei Dank komme ich schnell dran, denn ich höre mein warmes weiches Bett so unfassbar laut nach mir rufen. Auf dem Weg nach Hause begegne ich den Alko-Weibern mit Darmproblemen wieder. Die eine kotzt gerade ihr flüssiges hochprozentiges Frühstück auf die Reeperbahn, während ihre Freundinnen um sie herumstehen und jubeln.

Die Bowlingbahn im Keller

Ich schlurfte wie jeden Abend in den Keller um meinen Dienst anzutreten. Die Bowlingbahn war erst zwei Woche in unserem Keller installiert, doch hatte ich jetzt schon die Nase gestrichen voll. In einem halbherzigen Versuch, irgendwie Geld aus dem Kiez zu quetschen und aufgrund des hohen Aufkommens von Bars und Puffs, hatte sich mein Vermieter entschieden eine Bowlinghalle in unserem Wohnhaus bauen zu lassen. Da alle Wohnungen vermietet waren und wir über einen recht großräumigen Keller verfügen, lag es nahe die Bowlingbahn plus kleiner Bar direkt dort unten zu errichten, direkt unter meiner Wohnung. In einem Haus dessen Wände so lächerlich dünn sind, dass ich meine Nachbarn fast durch die Wand sehen kann (ganz ohne Röntgenblick), war die Lärmbelästigung der nächtlichen Bowlingturniere natürlich nicht auszuhalten. Es klang meist als würden die angesäuselten Herren da unten die Bowlingkugel direkt in mein Hirn jagen, wo meine Nervenstränge einer nach dem anderen wie Pins umgeschmissen wurden. Brutale, an Erdbeben grenzende Kopfschmerzen waren das Resultat, an Schlaf war kaum zu denken und so fing mich mein Vermieter am zweiten Morgen nach Eröffnung an meiner Wohnungstür ab. Mit Dunkelrot unterlaufenen Augen, Augenringen bis zu den Fußsohlen, zerzausten Haaren und Schaum vorm Mund bildete ich wohl…      »Weiterlesen

Das Altenheim der Hirsche

Während Harald in seinem schicksten Frottee-Schlafanzug mit Comic-Eistüten-Druck gekleidet im knarzenden Rollstuhl herumkutschiert wurde, wartete Rehmann Roland bereits im heruntergekommenen Amüsierzimmer auf seinen geweihten Freund für die tägliche Stunde Schach. Nach dem mittäglichen Spaghetti-Desaster hingen ihm noch ein paar Nudeln aus dem Geweih, welche etwas die Sicht behinderten, ihn aber nicht weiter störten. An Weihnachten hing man ihm schließlich auch immer Lametta in die Krone. Nach der unerbittlichem Schachkampf, den Hirsch Harald mal wieder gewann, wurde wie jeden Tag Eierlikör gereicht um die anschließende Runde Bingo mit allen Insassen des Heims so richtig in Fahrt zu bringen. Gab es allerdings nur Grog, dann war ein erbitterter Kampf mit den kurzröckigen Altenpflegerinnen vorprogrammiert. Nicht selten kam dabei eine zu Tode.

Fritz Honka – der Hamburger Serienkiller

Kennt ihr das, ihr seid an einem Ort, wo vor Urzeiten etwas Einzigartiges/Eigenwilliges/ oder einfach Krasses passiert ist und allein das Wissen, dass es dort passiert ist, macht diesen Ort umso besonderer? Es ist ja kein Geheimnis, dass ich einen Klatsch habe, was Serienkiller angeht. So hat es mich fast aus den Socken gehauen, dass einen Steinwurf entfernt von mir ein solcher Mann lebte und mordete. Es handelt sich um Fritz Honka. Ich las mich natürlich sofort in die Materie und war baff an wievielen Punkten ich fast täglich vorbeiging, an denen sich auch Fritz damals rumtrieb. Seine Opfer, vornehmlich leichte Mädchen und Stadtstreicherinnen gabelte er Im “Elbschlosskeller” auf, einer Bar-Kaschemme die bis heute existiert und die ich jedes mal sehe, wenn ich zum nahegelegenen Supermarkt einkaufen gehe. Auch im “Zum Goldenen Handschuh” fand Honka das eine oder andere strangulierbare Schändigungsopfer, welche allesamt Frauen waren, die niemand vermisste, weswegen es vor Auffindung der Leichenteile nicht zu polizeilichen Ermittlungen kam. Die Alkoholschenken waren Auffangbecken gescheiterter Existenzen, abgehalfterter Nutten und Trinkern, die dort hinkamen um zu saufen und ihr Leben, wenn auch nur für einen Moment, zu vergessen und dort manchmal ein Schwätzchen zu halten, was Fritz nutze um sich besteigbaren Frauen…      »Weiterlesen

Das Nervenkostüm

In meinem extra dicken Nervenkostüm sehe ich immer gleich so fett aus.

Was wird hier gedreht?

Manchmal würde ich gerne einen Zusammenschnitt aller Sendungen, Shows, Nachrichtenbeiträgen und sonstigem filmischem Materials sehen, in das ich irgendwie aus Versehen reingelaufen bin. Ich glaube das wäre ein abendfüllendes Programm. Aber von vorne… Vor ein paar Jahren haben Filmemacher und Serienschreiber Hamburg und vor allem St. Pauli mit seinem einzigartigen Kiez als die perfekte Location für eigentlich fast alles erkoren. Warum, das weiß keiner so Recht. Vielleicht weil es schon nach Verbrechen und Finstereien riecht, weil Blei in der Luft liegt und diese ganz besondere Atmosphäre herrscht, die man sonst für viel Geld selber ertüfteln müsste. Es gibt eigentlich fast keinen Tag, an dem ich während meiner täglichen Gänge über den Kiez nicht irgendwo in ein Kamerateam laufe. Das ist dann aber kein 3-Mann-Ensemble mit Kamera-, Ton- und Lichtmann sondern eine Entourage von mindestens 100 Leuten, die alle unfassbar wichtig in ihre Walkie-Talkies quatschen und immer total hektisch durch die Straßen flitzen. Dazu kommt eine ganze Armee an LKWs und Transportern, für Garderobe, Make Up und Requisiten. Im Umkreis von 3 Straßen sind die Parkplätze mit den wichtigen Vehikeln zugestellt nur, weil eine wöchentliche Sendung wie „Notruf Hafenkante“ im kleinen Dönerladen um die Ecke eine Szene drehen will, die im…      »Weiterlesen

Modelleisenbahn und ein Bauchschuss

In meiner unstillbaren Neugier, alles aufzusaugen und zu entdecken was so auf St. Pauli los ist und was man dort alles für kleine Schätze finden kann, machte ich mich auf eine kleine Erkundungstour. Mein grober Plan war es einen Modelleisenbahnladen aufzusuchen, den ich bei Google Maps nicht weit von mir entdeckt hatte, und der bestimmt allerlei einzigartige Materialien hatte, mit denen ich experimentieren und durchdrehen konnte, wenn ich ein neues Bastelprojekt am Start hatte. Ich schlenderte also über die Reeperbahn, bog auf den Hamburger Berg ein und flanierte an den selbst um diese frühe Uhrzeit schon unbändig nach Pisse und Schnaps stinkenden alten Kneipen vorbei, bahnte mir meinen Weg Richtung Schanze und hatte auch schon bald den kleinen, äußerst verwinkelten und zugestellten Laden gefunden. Eine gefühlte Ewigkeit später, nachdem ich eigentlich fast alles an Lacken und Landschaftsmaterialien eingehend studiert und natürlich was gekauft hatte, machte ich mich auf den Rückweg und schlenderte aus voller Absicht durch Straßen, die ich vorher noch nie betreten hatte, weil sie nie auf meinem direkten Weg lagen. Ein knallblaues Schlumpfeis später, welches seit meiner Kindheit eine feste Konstante in meinem Ernährungsplan ist, danach Bummelei und Schaufensterbeäugung diverser sehr interessanter, aber auch sehr teurer Läden (sorry,…      »Weiterlesen

Allgemeines

Frische 30 Lenze, wilder Kreativkopf, Horrorfilm-Enthusiastin, Bücherwurm, passionierte Zahn- und Knochen- sammlerin und Seefahrtsträumerin mit einem großen Herz für ausgestopfte Tiere aller Art.