Gruselnachtgeschichten

übers Leben, Lieben und Leiden

Die Bowlingbahn im Keller

Ich schlurfte wie jeden Abend in den Keller um meinen Dienst anzutreten. Die Bowlingbahn war erst zwei Woche in unserem Keller installiert, doch hatte ich jetzt schon die Nase gestrichen voll. In einem halbherzigen Versuch, irgendwie Geld aus dem Kiez zu quetschen und aufgrund des hohen Aufkommens von Bars und Puffs, hatte sich mein Vermieter entschieden eine Bowlinghalle in unserem Wohnhaus bauen zu lassen. Da alle Wohnungen vermietet waren und wir über einen recht großräumigen Keller verfügen, lag es nahe die Bowlingbahn plus kleiner Bar direkt dort unten zu errichten, direkt unter meiner Wohnung. In einem Haus dessen Wände so lächerlich dünn sind, dass ich meine Nachbarn fast durch die Wand sehen kann (ganz ohne Röntgenblick), war die Lärmbelästigung der nächtlichen Bowlingturniere natürlich nicht auszuhalten. Es klang meist als würden die angesäuselten Herren da unten die Bowlingkugel direkt in mein Hirn jagen, wo meine Nervenstränge einer nach dem anderen wie Pins umgeschmissen wurden. Brutale, an Erdbeben grenzende Kopfschmerzen waren das Resultat, an Schlaf war kaum zu denken und so fing mich mein Vermieter am zweiten Morgen nach Eröffnung an meiner Wohnungstür ab. Mit Dunkelrot unterlaufenen Augen, Augenringen bis zu den Fußsohlen, zerzausten Haaren und Schaum vorm Mund bildete ich wohl…      »Weiterlesen

Das Altenheim der Hirsche

Während Harald in seinem schicksten Frottee-Schlafanzug mit Comic-Eistüten-Druck gekleidet im knarzenden Rollstuhl herumkutschiert wurde, wartete Rehmann Roland bereits im heruntergekommenen Amüsierzimmer auf seinen geweihten Freund für die tägliche Stunde Schach. Nach dem mittäglichen Spaghetti-Desaster hingen ihm noch ein paar Nudeln aus dem Geweih, welche etwas die Sicht behinderten, ihn aber nicht weiter störten. An Weihnachten hing man ihm schließlich auch immer Lametta in die Krone. Nach der unerbittlichem Schachkampf, den Hirsch Harald mal wieder gewann, wurde wie jeden Tag Eierlikör gereicht um die anschließende Runde Bingo mit allen Insassen des Heims so richtig in Fahrt zu bringen. Gab es allerdings nur Grog, dann war ein erbitterter Kampf mit den kurzröckigen Altenpflegerinnen vorprogrammiert. Nicht selten kam dabei eine zu Tode.

Fritz Honka – der Hamburger Serienkiller

Kennt ihr das, ihr seid an einem Ort, wo vor Urzeiten etwas Einzigartiges/Eigenwilliges/ oder einfach Krasses passiert ist und allein das Wissen, dass es dort passiert ist, macht diesen Ort umso besonderer? Es ist ja kein Geheimnis, dass ich einen Klatsch habe, was Serienkiller angeht. So hat es mich fast aus den Socken gehauen, dass einen Steinwurf entfernt von mir ein solcher Mann lebte und mordete. Es handelt sich um Fritz Honka. Ich las mich natürlich sofort in die Materie und war baff an wievielen Punkten ich fast täglich vorbeiging, an denen sich auch Fritz damals rumtrieb. Seine Opfer, vornehmlich leichte Mädchen und Stadtstreicherinnen gabelte er Im “Elbschlosskeller” auf, einer Bar-Kaschemme die bis heute existiert und die ich jedes mal sehe, wenn ich zum nahegelegenen Supermarkt einkaufen gehe. Auch im “Zum Goldenen Handschuh” fand Honka das eine oder andere strangulierbare Schändigungsopfer, welche allesamt Frauen waren, die niemand vermisste, weswegen es vor Auffindung der Leichenteile nicht zu polizeilichen Ermittlungen kam. Die Alkoholschenken waren Auffangbecken gescheiterter Existenzen, abgehalfterter Nutten und Trinkern, die dort hinkamen um zu saufen und ihr Leben, wenn auch nur für einen Moment, zu vergessen und dort manchmal ein Schwätzchen zu halten, was Fritz nutze um sich besteigbaren Frauen…      »Weiterlesen

Das Nervenkostüm

In meinem extra dicken Nervenkostüm sehe ich immer gleich so fett aus.

Was wird hier gedreht?

Manchmal würde ich gerne einen Zusammenschnitt aller Sendungen, Shows, Nachrichtenbeiträgen und sonstigem filmischem Materials sehen, in das ich irgendwie aus Versehen reingelaufen bin. Ich glaube das wäre ein abendfüllendes Programm. Aber von vorne… Vor ein paar Jahren haben Filmemacher und Serienschreiber Hamburg und vor allem St. Pauli mit seinem einzigartigen Kiez als die perfekte Location für eigentlich fast alles erkoren. Warum, das weiß keiner so Recht. Vielleicht weil es schon nach Verbrechen und Finstereien riecht, weil Blei in der Luft liegt und diese ganz besondere Atmosphäre herrscht, die man sonst für viel Geld selber ertüfteln müsste. Es gibt eigentlich fast keinen Tag, an dem ich während meiner täglichen Gänge über den Kiez nicht irgendwo in ein Kamerateam laufe. Das ist dann aber kein 3-Mann-Ensemble mit Kamera-, Ton- und Lichtmann sondern eine Entourage von mindestens 100 Leuten, die alle unfassbar wichtig in ihre Walkie-Talkies quatschen und immer total hektisch durch die Straßen flitzen. Dazu kommt eine ganze Armee an LKWs und Transportern, für Garderobe, Make Up und Requisiten. Im Umkreis von 3 Straßen sind die Parkplätze mit den wichtigen Vehikeln zugestellt nur, weil eine wöchentliche Sendung wie „Notruf Hafenkante“ im kleinen Dönerladen um die Ecke eine Szene drehen will, die im…      »Weiterlesen

Modelleisenbahn und ein Bauchschuss

In meiner unstillbaren Neugier, alles aufzusaugen und zu entdecken was so auf St. Pauli los ist und was man dort alles für kleine Schätze finden kann, machte ich mich auf eine kleine Erkundungstour. Mein grober Plan war es einen Modelleisenbahnladen aufzusuchen, den ich bei Google Maps nicht weit von mir entdeckt hatte, und der bestimmt allerlei einzigartige Materialien hatte, mit denen ich experimentieren und durchdrehen konnte, wenn ich ein neues Bastelprojekt am Start hatte. Ich schlenderte also über die Reeperbahn, bog auf den Hamburger Berg ein und flanierte an den selbst um diese frühe Uhrzeit schon unbändig nach Pisse und Schnaps stinkenden alten Kneipen vorbei, bahnte mir meinen Weg Richtung Schanze und hatte auch schon bald den kleinen, äußerst verwinkelten und zugestellten Laden gefunden. Eine gefühlte Ewigkeit später, nachdem ich eigentlich fast alles an Lacken und Landschaftsmaterialien eingehend studiert und natürlich was gekauft hatte, machte ich mich auf den Rückweg und schlenderte aus voller Absicht durch Straßen, die ich vorher noch nie betreten hatte, weil sie nie auf meinem direkten Weg lagen. Ein knallblaues Schlumpfeis später, welches seit meiner Kindheit eine feste Konstante in meinem Ernährungsplan ist, danach Bummelei und Schaufensterbeäugung diverser sehr interessanter, aber auch sehr teurer Läden (sorry,…      »Weiterlesen

Der nächtliche Ritt

Irgendwann gewöhnte ich mich an den Lärm. Mit Fenstern die so dünn sind, dass man vorbeilaufende Menschen furzen hören kann, und so undichten Gläsern in den Rahmen, dass einem bei fiesem Wind ein Hauch um die Nase weht. Dank der Nachlässigkeit meines Vermieters, höre ich nun schon seit fast 10 Jahren jedes Geräusch vor meinem Fenster. Nachts, wenn das pöbelnde Trunkenvolk wochenendlich durch die Straßen gepoltert ist, höre ich ihre zurück gelassenen Plastikbecher, wie sie vom Wind über das Kopfsteinpflaster getragen werden. Zahllose Streits und Trennungen spielten sich schon direkt vor meiner Wohnung ab, natürlich hörte ich jedes Wort, kann schon fast einen Beziehungsratgeber schreiben, weil ich die hunderte Fälle akribisch auseinander nahm und analysierte. Allerdings gibt es bei „Du Hure hast mit meinem Digger gepennt, Alte!“ nicht viel zu analysieren. Weinende Frauen die lauthals in ihr Handy schluchzen, Hunde die sich mitten in der Nacht einen Kampf auf der Straße liefern, da die beiden Herrchen gerade auf der anderen Straßenseite beim Dealer Gras kauften. Teeniemädels, die zum ersten Mal einen Rausch erleben und das gesoffene Gut gleich vor meinem Fenster auskotzen, bekannte Kiezstimmen wie Inkasso Henry oder Kalle Schwensen säuseln an meiner Scheibe vorbei, genau wie eigentlich alle Stimmen…      »Weiterlesen

Liegestütz mit Penis

Ich schrob ja bereits über diverse bizarre Sichtungen auf dem Kiez (Auf dem Kiez ist immer was los), aber manche Situationen sind einfach so grotesk, dass sie eine eigene kleine Geschichtenerzählung brauchen. Ich war mal wieder auf dem Weg zur Post, da der Paketbote es irgendwie nie schafft mich anzutreffen. Ich bin entweder gerade aus der Tür, wenn ich in der Sendungsverfolgung sehe, dass er gerade da war, oder ich bin da, der Paketbote sieht das aber anders und so steckt doch ein Paketabholschein im Briefkasten.Obwohl, das wäre zu einfach. Der Abholschein wird mir mit der Post zugestellt, und so kommt es nicht selten vor, dass meine Sendung schon wieder an den Sender zurückging, weil die Post von 3 Straßen weiter ganze 10 Tage braucht um mir den Schein zuzustellen, aber das ist eine ganz andere Geschichte. Kommen wir zu der Kuriosität, die ich auf dem Weg zum Abholen beiwohnte. Ich schlenderte durch den überraschend sonnigen Kiez, machte einen Schlenker an meinem Lieblingssüßkramladen vorbei,um zu gucken ob sie endlich meine heißgeliebten Salzkaramell Cake Pops aufgestockt hatten (hatten sie natürlich nicht, hmpf) und machte mich auf den Weg Richtung Reeperbahn. In einer Seitenstraße erblickte ich einen alten Opel Corsa, dessen Beifahrertür…      »Weiterlesen

Der DJ mit dem Ghettoblaster

Auf meinen Einkaufstour zum fast weltberühmten Penny Supermarkt auf der Reeperbahn lief er mir meist im Sommer fast täglich über den Weg: Der DJ mit dem Gehttoblaster. Obwohl Ghettoblaster wäre übertrieben, es ist eher ein kleiner Kassettenplayer mit Radiofunktion. Klein, handlich mit einem schnieken Griff an der Oberseite, um den eine Mardi Gras Perlenkette geschlungen ist, damit er sich das gute Stück um den Hals hängen kann. Und so beschallt der DJ, der netterweise auf seinem kleinen Ghettoblaster auch noch ein kleines Schild geklebt hat auf dem man seinen Künstlernamen sehen kann – Der Cyber Musik DJ – das Areal um den Penny-Markt. Seine perfelte Ecke scheint er gefunden zu haben, an der er die größtmögliche Crowd mit Musik zum Feiern anregen kann. Obwohl das um 1 Uhr nachmittags eher nie funktioniert. Doch das ist ihm egal. Er tanzt zu den grausigen Technoklängen, die aus dem winzigen Gerät plärren, als gäbe es kein Morgen mehr. Direkt neben einer kleinen Obdachloseninsel, einem kleinen Platz neben der Ampel zwischen Fahrradständern, auf dem sich übermäßig viele Decken, Bierdosen und Plastiktüten türmen. Und schnarchende Obdachlose. Ich schätze den DJ auf 50-60 Jahre, die Klamotten hat er seit dem Schlagermove nicht abgelegt und so sticht…      »Weiterlesen

Die Beherrschung

Ich nehme meine Beherrschung jetzt wie einen Hund an die Leine und halte sie fest, damit ich sie nicht immer verliere.

Allgemeines

Frische 28 Lenze, wilder Kreativkopf, Horrorfilm-Enthusiastin, Bücherwurm, passionierte Zahn- und Knochen- sammlerin und Seefahrtsträumerin mit einem großen Herz für ausgestopfte Tiere aller Art.