Gruselnachtgeschichten

übers Leben, Lieben und Leiden

Blondierung, Haschisch und die durchlöcherte Jogginghose

Die ganze Geschichte beginnt einen Tag zuvor. Abends klingelte die Polizei an meiner Tür und fragte ob ich schon mal eigenwilligen Geruch im Hausflur vernommen hätte. Auf dem Kiez riechen alle Hausflure eigenwillig. Eine fiese Mischung aus Obdachlosenpisse, Bier, Schweiß, faulen Eiern und Marihuana. Auf letzteres spielten die Ordnungshüter an. Als eingefleischte Drogenablehnerin weiß ich aber leider wie sowas riecht, denn es kommt nicht selten vor, das Bewohner des Hauses mit Joint durchs Haus latschen, ihren Ganjageruch überall verteilen und teilweise die Stummel im kleinen Mülleimer unter den Briefkästen entsorgen. Genau das teilte ich den netten Herren in Uniform mit und konnte auf Nachfrage, wer das denn genau sei, leider nur mit einem Achselnzucken antworten. Die Polizisten bedankten sich und setzten ihre Befragung eine Wohnungstür weiter fort.

Ein Tag später.

Es war 22:14 Uhr, ich hatte gerade frisch die Blondierung auf dem Kopf um den wilden Horroansatz der meine straßenköterbraune Naturhaarfarbe zeigte zu eliminieren, als es klingelte. Wenn ich mir die Haare neu blondiere, trage ich immer das älteste T-Shirt, das mein Kleiderschrank hergibt, das schwarze Shirt ist am Kragen schon ganz Orange und weiter runter schön besprenkelt, sodass es fast aussieht wie ein Jackson-Pollock-Kunstwerk. Dazu stilecht kombiniert meine allerliebste Lieblingsjogginghose, die eigentlich zu großen Teilen nur noch aus Löchern besteht, was im Sommer perfekt für Ventilation sorgt, im Winter aber punktuell die winterliche Brise ins Innere lässt. Man könnte sagen ich sah aus wie Arsch. Die fast knietiefen Augenringe, die mein Gesicht seit jüngster Pubertät zeichnen, die Anti-Pickel-Creme, die in lustigen Mustern auf meiner Visage verteilt war und die weiße Blondierungscreme, die ich mir großflächig fast bis an die Augenbrauen geschmiert hatte, trugen nur dazu bei mein Aussehen auf ein Niveau zu senken, welches selbst für nachmittägliche RTL-Reality-Shows zu niedrig war.

In meiner unbändigen Schönheit hatte ich beschlossen schnell abzuwaschen, bis meine Haare wieder in neuem Blond erstrahlten und ich die ganze Pampe zusammen mit dem Dreck des Kiezes von meinem Körper duschen konnte. Die Hände in den Schaummassen der Spüle, denn viel Spülmittel hilft viel, klingelte es an der Tür. Ich überlegte kurz, das zaghafte Bimmeln zu überhören, denn es war mit ziemlicher Sicherheit mal wieder ein Nachbar der seinen Schlüssel zur Haustür vergessen hatte. Doch ich ging zur Tür und blickte durch den Spion. Polizei. Zwei Herren in schwarzer Uniform, mit verschrenkten Armen vor der Brust und etwas mürrischem Gesichtsausdruck standen dort und warteten auf mein Öffnen. Mit nassen Spülmittelhänden öffnete ich und hatte in diesem Moment schon wieder völlig vergessen, wie ich eigentlich gerade aussah. »Oh sorry, wir wollten nicht stören. Wir sind die Polizei!«, der mürrisch blickende Beamte links konnte sich aufgrund meines Äußeren ein fettes Grinsen nicht verkneifen. »Das sehe ich! Stripper hatte ich eigentlich nicht bestellt.« Der Kollege rechts bölkte los. »Könnten Sie uns den Keller aufschließen? Wir müssten da mal was nachgucken.« Ich nickte, schnappte meinen Schlüssel, schlüpfte in die von Farbklecksen besprenkelten Birkenstockschlappen, die meine komplette Erscheinung nur noch mehr ins Bodenlose riss. Ich ging voran Richtung Treppen zum Keller und sah aus dem Augenwinkel, wie die Wohnung am anderen Ende des Hausflures offenkundig gerade durchsucht wurde. CSI-mäßig stand eine Polizistin mit knallblauen Plastikhandschuhen über die zierlichen Hände gestriffen in der Tür und wollte gerade mit einer eingehenden Untersuchung beginnen. Aus dem Inneren der Wohnung hörte man noch mindestens zwei weitere Kollegen. Ich tapste die Treppen herunter, mit den beiden Wachtmeistern im Schlepptau und navigierte sie zielgenau zum Raum, der unsere Kellerabteile beherberte. »Nicht dass Ihnen jetzt die Haare schmilzen, wenn das Zeug zu lange drauf bleibt!« gröhlte der etwas größere und nicht ganz so hübsche Polizist. »Keine Sorge, die Pampe ist frisch drauf, wir haben noch n bissel Zeit und können und in Ruhe im Keller vergnügen!« Ich schloss die schwere Stahltür auf und fragte mich erneut warum ein Kellerraum auf dem Kiez mit einer solchen Tür gesichert werden musste. Wie oft fiel die Tür von alleine wieder zu, während ein Teil meiner Hand noch dazwischen war. Die beiden Ordnungshüter leuchteten mit behandschuhten Händen in alle Abteile, die nur durch zaunartige 5cm breit auseinanderstehenden Holzlatten an Metallgerüsten bestehen, so kann man prima in alle Keller gucken und manchmal recht schräge Entdeckungen machen, was Nachbarn so alles dort unten lagerten.

Nach ein paar Minuten Taschenlampenschwenken, deuteten die beiden mir an, nun fertig zu sein. Ich schloss die Tür und tapste wieder zu meiner Wohnung. In der Tür folgten dann noch ein paar Fragen. »Sind Ihre Haare noch heile oder haben wir gleich ein Problem?«, der kleinere Polizist, mit schniekem kurzem Haarschnitt, knallblauen Augen die sich einem direkt ins Herz bohrten kicherte. »Alles gut. 8 Minuten haben Sie noch!« »Ok, das schaffen wir! Also, kennen Sie die Leute die da drüben wohnen?« Er deutete auf die immer noch geöffnete Tür der Wohnung am Ende der Flur, vor der sich nun 5 uniformierte Gesetzeshüter in blauen Gummihandschuhen wild gestikulierend unterhielten. Einer hielt eine Plastiktüte in der Hand in der eine undefinierbare Substanz war. Ich tippte auf Haschisch. »Ich weiß nicht genau wer dort wohnt, denn da geht es streckenweise zu wie im Hühnerstall. Schlimmer als beim Sommerschlussverkauf bei Karstadt!« »Also so richtig mit Klopperei um die besten Stücke?« der größere von beiden gnickerte. »In etwa so. Ja. Einmal hatten sie ein Paket für mich angenommen, dem ich dann knapp 2 Wochen hinterher rennen durfte, weil entweder niemand da war, oder man laute Stimmen aus dem Inneren hörte, aber einfach niemand aufmachte!« »Hmm. Interessant. Haben Sie etwas gerochen? Roch es vielleicht nach… Cannabis?« »Es roch nicht danach, man wurde schon fast high, wenn man nur für ein paar Sekunden vor der geschlossenen Tür stand!« »Volltreffer. Vielen Dank. Waschen Sie jetzt bloß das Zeug da aus Ihren Haaren, obwohl Sie mit Glatze bestimmt auch ganz hübsch wären. Schönen Abend noch!« Der kleinere mit den Meeresaugen zwinkerte mir zu und ging mit seinem Kollegen nun zur Kifferbude. Ich drehte mich um, schloss die Tür und spürte einen heftigen Windhauch, der mir durch die Jogginghose direkt bis auf die Pobacken. Ich drehte mich um, schaute hinab und musste mit Schrecken feststellen, dass fast mein kompletter Arsch freilag und meine Pink/Weiß geringelte Unterhose zeigte.

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