Gruselnachtgeschichten

übers Leben, Lieben und Leiden

Der Portier von St. Pauli

Damals, als ich noch jung und knackig war, naja knackig weniger, aber jung und mitten im Studium, da war es Gang und Gebe, das Kommilitonen mitten in der Nacht zum Kreativbier zu mir kamen. Ich wohnte strategisch perfekt im Erdgeschoss, so niedrig, dass man ohne weitere Mühe einfach an mein Fenster klopfen konnte. So hatten nun eine Handvoll Leute Klopfzeichen etabliert, mit denen ich sofort erkannte, wenn denn nun zum Genuss des Gerstensaftes vor der Tür stand, ohne mich überhaupt erhoben zu haben um zur Tür zur marschieren.

Die Jugend ist vorbei, knackig war ich nie und die bierbeseelten Klopfzeichen gibt es auch nicht mehr. Wir sind reifer geworden, so sagt man das glaube ich, wenn man nun nicht mehr das studentische Lotterleben führt, sondern einen normalen Tagesrhythmus hat, der Arbeit, eine feste Beziehung und gottlob sogar Kinder und ein Haus beinhaltet, dann ist die Sturm und Drang Zeit wohl vorbei.

Ich vermisste die Klopfzeichen, da sie doch recht abrupt endeten. Meine Bierfreunde zogen fort, hatten keine Zeit mehr oder widmeten sich nun der Planung und Gründung einer Familie. Ab und zu standen die üblichen Verdächtigen grinsend mit einem Sixer Bier vor der Tür und ließen mit mir die alten Zeiten auferstehen, in denen wir uns abends trafen um zu brainstormen und kreativ zu sein, das Ganze aber schnell darin endete dass wir absolut grausige Musik-Playlists auf YouTube erstellten, die alle Mitgröhlklassiker der 80er enthielten, Pannenshows guckten und oder des Öfteren den mitternächtlichen Gang zur Tankstelle oder dem Kiosk um die Ecke anzutreten, um unser flüssiges Gold aufzustocken.

Vor ein paar Wochen schreckte ich mitten in der Nacht hoch. Da hatte doch gerade jemand an mein Fenster geklopft?! Ich konnte das Klopfzeichen nicht dechiffrieren und demnach keinem meiner Bierkumpel zuordnen, trotzdem marschierte ich zur Wohnungstür, drückte freudig den Summer und wartete voller Freude, wer denn nun die 4 Stufen hochgelaufen kam. „Ey, sorry man. Ich hab meinen Schlüssel vergessen, sorry, man, wirklich sorry. Ich wollte meine Mitbewohner nicht wecken und hab deswegen nicht geklingelt. Voll cool dass du aufgemacht hast!“ Völlig perplex starrte ich den ca. 36jährigen Marokkaner an, der nicht nur eine Flasche Tequila intus hatte, sondern eine ganze Palette. Er wankte mir bedrohlich nah entgegen und würgte so erbärmlich, dass ich meine Fußmatte gedanklich schon zu Grabe trug. „Schlüssel vergessen, hmm? Wohnungsschlüssel auch?“ „Hmmmmm…..hicks.“ röhrte es mir entgegen. Kluger Mann, fantastische Logik. Am Fenster zu einer wildfremden Wohnung mitten in der Nacht einfach klopfen, da man die Mitbewohner mit der Klingel nicht wecken will, dann von einer äußerst viel zu lieben Frau reingelassen werden um dann nach oben zur Wohnung zu tapsen und da was zu tun? Klingeln? Exakt. Ich konnte diese grenzenlose Dummheit nicht fassen. Kringelte mich zurück ins Bett und schlief kopfschüttelnd ein.

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