Gruselnachtgeschichten

übers Leben, Lieben und Leiden

Die Bowlingbahn im Keller

Ich schlurfte wie jeden Abend in den Keller um meinen Dienst anzutreten. Die Bowlingbahn war erst zwei Woche in unserem Keller installiert, doch hatte ich jetzt schon die Nase gestrichen voll. In einem halbherzigen Versuch, irgendwie Geld aus dem Kiez zu quetschen und aufgrund des hohen Aufkommens von Bars und Puffs, hatte sich mein Vermieter entschieden eine Bowlinghalle in unserem Wohnhaus bauen zu lassen. Da alle Wohnungen vermietet waren und wir über einen recht großräumigen Keller verfügen, lag es nahe die Bowlingbahn plus kleiner Bar direkt dort unten zu errichten, direkt unter meiner Wohnung. In einem Haus dessen Wände so lächerlich dünn sind, dass ich meine Nachbarn fast durch die Wand sehen kann (ganz ohne Röntgenblick), war die Lärmbelästigung der nächtlichen Bowlingturniere natürlich nicht auszuhalten. Es klang meist als würden die angesäuselten Herren da unten die Bowlingkugel direkt in mein Hirn jagen, wo meine Nervenstränge einer nach dem anderen wie Pins umgeschmissen wurden. Brutale, an Erdbeben grenzende Kopfschmerzen waren das Resultat, an Schlaf war kaum zu denken und so fing mich mein Vermieter am zweiten Morgen nach Eröffnung an meiner Wohnungstür ab. Mit Dunkelrot unterlaufenen Augen, Augenringen bis zu den Fußsohlen, zerzausten Haaren und Schaum vorm Mund bildete ich wohl den optischen Tiefpunkt seines Tages. Er teilte mir mit, dass ich nun für die Halle unter mit verantwortlich wäre und jeden Abend Schicht hätte. Die Kegelaufstellmaschine sei schon am ersten Abend kaputt gegangen und eine neue könne man sich nicht leisten, diese Aufgabe würde nun mir zuteil.

Und so friste ich ein verabscheuungswürdiges Dasein als Bowlinguschi, die jede Nacht im Satinpyjama mit Glücksbärchies bedruckt, in den wärmsten Pantoffeln (da mir am ersten Abend gleich zwei Zehen abgefroren sind), und mit einer Laune wie sieben Jahre Regenwetter, bäuchlings über die Bahn robbt und die umgestoßenen Pins wieder aufstellt. An der winzigen Bar schenke ich strunzbetrunkenen Männern ein Bier aus, welche offensichtlich schon mindestens 14 zu viel hatten und frage mich, ob ich nicht vielleicht doch umziehen sollte.

Diese kleine Geschichte beruht auf einem äußerst real wirkenden Traum, aus dem ich maßlos verwirrt aufwachte und erstmal in den Keller rannte, um erstmal zu checken ob da auch wirklich keine Bowlingbahn ist.

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