Gruselnachtgeschichten

übers Leben, Lieben und Leiden

Die Fleischpastete

Da stand er nun. Im gleißenden Scheinwerferlicht auf den Brettern die die Welt bedeuteten. Das rohe Fleisch das nur schlecht als recht mit doppelseitigem Klebeband an ihm befestigt war stank zu Himmel. In der Hitze der Lichter roch es nach Verwesung, gemischt mit dem durchdringenden Gestank der Gewürzgurken, war es für Till ein wahrer Albtraum. Er stand wie angewurzelt vor der Jury, die ihn beäugten wie ein Stück Fleisch, was er ja de facto auch irgendwie war. Der rosarote Fleischsaft rann ihm die nackten Beinen herab, über die Füße, zu denen er sich in einer Lache ausbreitete und die wackeligen Bühnenbretter in eine glitschigen Rutschbahn verwandelte. Er verteufelte sich selbst, bei diesem Blödsinn überhaupt mitgemacht zu haben. Er hätte von vorn herein ablehnen sollen. Doch das war jetzt zu spät. Da musste er jetzt durch.

Er hatte einen völligen Texthänger. Der Text lag hinter der Bühne, handlich 3fach gefaltet auf dünnem A4-Papier, er hätte den Zettel doch irgendwie in seinem Kostüm verstecken müssen, irgendwie. Auch wenn der Fleischsaft die wertvollen Zeilen wahrscheinlich binnen Sekunden in eine unleserlich verlaufene Masse an schwarzer Tinte verwandelt hätte. In Panik begann er immer deutlich merkbarer zu zittern. Das lose Fleisch klatschte immer wieder an seine nackte Haut und erfüllte das fast menschenleere Theater, in dem es die peinliche Stille wie ein scharfes Messer durchschnitt. Je mehr sich Till konzentrierte um Ruhe zu bewahren und das Zittern zu stoppen, desto schlimmer wurde es. Seine Lippen bebten.

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