Gruselnachtgeschichten

übers Leben, Lieben und Leiden

Der DJ mit dem Ghettoblaster

Auf meinen Einkaufstour zum fast weltberühmten Penny Supermarkt auf der Reeperbahn lief er mir meist im Sommer fast täglich über den Weg: Der DJ mit dem Gehttoblaster. Obwohl Ghettoblaster wäre übertrieben, es ist eher ein kleiner Kassettenplayer mit Radiofunktion. Klein, handlich mit einem schnieken Griff an der Oberseite, um den eine Mardi Gras Perlenkette geschlungen ist, damit er sich das gute Stück um den Hals hängen kann. Und so beschallt der DJ, der netterweise auf seinem kleinen Ghettoblaster auch noch ein kleines Schild geklebt hat auf dem man seinen Künstlernamen sehen kann – Der Cyber Musik DJ – das Areal um den Penny-Markt. Seine perfelte Ecke scheint er gefunden zu haben, an der er die größtmögliche Crowd mit Musik zum Feiern anregen kann. Obwohl das um 1 Uhr nachmittags eher nie funktioniert. Doch das ist ihm egal. Er tanzt zu den grausigen Technoklängen, die aus dem winzigen Gerät plärren, als gäbe es kein Morgen mehr. Direkt neben einer kleinen Obdachloseninsel, einem kleinen Platz neben der Ampel zwischen Fahrradständern, auf dem sich übermäßig viele Decken, Bierdosen und Plastiktüten türmen. Und schnarchende Obdachlose. Ich schätze den DJ auf 50-60 Jahre, die Klamotten hat er seit dem Schlagermove nicht abgelegt und so sticht…      »Weiterlesen

Die Beherrschung

Ich nehme meine Beherrschung jetzt wie einen Hund an die Leine und halte sie fest, damit ich sie nicht immer verliere.

Auf dem Kiez ist immer was los

Nach knapp 10 Jahren des Lebens auf dem Kiez, kann mich so schnell eigentlich nichts mehr schocken. Mich wundert auch nichts mehr. So ist es ganz normal, dass ein offenkundig aus dem Krankenhaus geflohener Mann, dem der Katheterbeutel noch um die Beine schwingt splitternackt auf dem Fahrrad über die Reeperbahn fährt, oder ein Krankenwagen der mitten in der Nacht vorm SM-Studio in meiner Straße hält und Minuten später mit einem in Lack gekleideten Mann auf einer Trage wieder heraus kommt, wobei die Plane die man über ihn gelegt hat am Unterleib eigenwillig in die Höhe ragt. Hier ist einfach immer was los. So war ich letztens mit einem Freund im Auto unterwegs, obwohl wir auf der Davidstraße nicht wirklich weiterkamen, denn zwei Kerle prügelten sich mitten auf der Kreuzung gegenseitig das Hirn aus den Schädeln. Da die Davidwache ja in diesem Fall wirklich einen Steinwurf entfernt war, war die Polizei sofort zur Stelle und schleifte die beiden Prügelhähne von der Straße. Einmal stand ich bei meinem geliebten Kiez-Penny an der Kasse in der Schlange, studierte die Auslage der Süßigkeiten und überlegte ob und wenn ja ich welches von den süßen Köstlichkeiten mitnehmen sollte, als der offenkundig strunzbetrunkene Mann vor mir…      »Weiterlesen

Peng! Peng! Peng!

Wenn man auf dem Kiez wohnt ist das mit Knallerei so eine Sache: Man weiß nie ob jemand die Chinaböllerreste verfeuert oder gerade jemand erschossen wird.

Blondierung, Haschisch und die durchlöcherte Jogginghose

Die ganze Geschichte beginnt einen Tag zuvor. Abends klingelte die Polizei an meiner Tür und fragte ob ich schon mal eigenwilligen Geruch im Hausflur vernommen hätte. Auf dem Kiez riechen alle Hausflure eigenwillig. Eine fiese Mischung aus Obdachlosenpisse, Bier, Schweiß, faulen Eiern und Marihuana. Auf letzteres spielten die Ordnungshüter an. Als eingefleischte Drogenablehnerin weiß ich aber leider wie sowas riecht, denn es kommt nicht selten vor, das Bewohner des Hauses mit Joint durchs Haus latschen, ihren Ganjageruch überall verteilen und teilweise die Stummel im kleinen Mülleimer unter den Briefkästen entsorgen. Genau das teilte ich den netten Herren in Uniform mit und konnte auf Nachfrage, wer das denn genau sei, leider nur mit einem Achselnzucken antworten. Die Polizisten bedankten sich und setzten ihre Befragung eine Wohnungstür weiter fort. Ein Tag später. Es war 22:14 Uhr, ich hatte gerade frisch die Blondierung auf dem Kopf um den wilden Horroansatz der meine straßenköterbraune Naturhaarfarbe zeigte zu eliminieren, als es klingelte. Wenn ich mir die Haare neu blondiere, trage ich immer das älteste T-Shirt, das mein Kleiderschrank hergibt, das schwarze Shirt ist am Kragen schon ganz Orange und weiter runter schön besprenkelt, sodass es fast aussieht wie ein Jackson-Pollock-Kunstwerk. Dazu stilecht kombiniert meine allerliebste…      »Weiterlesen

Der Portier von St. Pauli

Damals, als ich noch jung und knackig war, naja knackig weniger, aber jung und mitten im Studium, da war es Gang und Gebe, das Kommilitonen mitten in der Nacht zum Kreativbier zu mir kamen. Ich wohnte strategisch perfekt im Erdgeschoss, so niedrig, dass man ohne weitere Mühe einfach an mein Fenster klopfen konnte. So hatten nun eine Handvoll Leute Klopfzeichen etabliert, mit denen ich sofort erkannte, wenn denn nun zum Genuss des Gerstensaftes vor der Tür stand, ohne mich überhaupt erhoben zu haben um zur Tür zur marschieren. Die Jugend ist vorbei, knackig war ich nie und die bierbeseelten Klopfzeichen gibt es auch nicht mehr. Wir sind reifer geworden, so sagt man das glaube ich, wenn man nun nicht mehr das studentische Lotterleben führt, sondern einen normalen Tagesrhythmus hat, der Arbeit, eine feste Beziehung und gottlob sogar Kinder und ein Haus beinhaltet, dann ist die Sturm und Drang Zeit wohl vorbei. Ich vermisste die Klopfzeichen, da sie doch recht abrupt endeten. Meine Bierfreunde zogen fort, hatten keine Zeit mehr oder widmeten sich nun der Planung und Gründung einer Familie. Ab und zu standen die üblichen Verdächtigen grinsend mit einem Sixer Bier vor der Tür und ließen mit mir die alten…      »Weiterlesen

Die Straße der Musik

Ich lebe auf St. Pauli, das schon seit 8 Jahren und aus voller Überzeugung und mit viel Liebe für diesen Stadtteil. Es gibt viele Sachen, die ich an dieser Ecke in Hamburg mag, aber das Beste ist wohl die Straße der Musik. Also eigentlich ist eine Straße an der sich eine Kneipe an die nächste reiht, in der die Bars quasi fließend ineinander übergehen und man ob Tag oder Nacht konstant von Musik beschallt wird. Natürlich muss man in dieser Straße mit dem streckenweise beißenden Geruch von Kotze in Verbindung mit literweise frischer Pisse umzugehen wissen, doch wenn man das erstmal ausschaltet und das kann man nach fast einem Jahrzehnt des Kiezlebens in Perfektion, dann ist die Straße wie ein großes Radio. Egal wohin ich gehe, ich versuche immer durch diese Straße zu gehen. Vor allem wenn das Wetter mal wieder grau und miesepetrig ist, die Stimmung gleich mit ins Bodenlose stürzt und man eigentlich gar nicht raus will, obwohl man muss und das warme Bett so herzzerreißend nach einem schreit, dass man gleich ein schlechtes Gewissen kriegt. Genau dann ist diese Straße Gold wert. Aus jeder geöffneten Kneipentür schallt Musik, die von den trinkenden Besuchern mit Bedacht und hohem…      »Weiterlesen

Das menschliche Wimmelbild

Seine Hyperaktivität schlug sich vor allem in Konversationen nieder, in denen er zu einem wahren menschlichen Wimmelbild mutierte.

Das DNA-Desaster

Das blonde DNA-Desaster in Form eines 4jährigen Kreischviehs polterte elefantös die Stufen herab und skandierte unaufhörlich die Vorliebe für Fisch in Stäbchenform.

Das Skelett im Fenster

Manchmal ist es schon fast erschreckend, wie unaufmerksam ich bin. Wie wenig ich von der Welt um mich herum wahrnehme, obwohl es doch so vieles Schönes zu bestaunen gibt. Den Blick meist kerzengerade nach vorne gerichtet, erfasse ich größtenteils nur das was direkt vor meiner Nase liegt, hier und da ein geschwenkter Blick auf den Bürgersteig, oder da und dort mal ein kurzes Schauen nach rechts und links. Eines abends machte ich mich auf zu meinem fast schon rituellen Gang zum Kiosk, um mir köstliche Glimmstengel zu organisieren. Tagsüber vergesse ich einfach immer mit rauchbarem Gut einzudecken. Ich schlendere also meine Straße entlang, es nieselt und die Tropfen echoen platschend auf das dicke Kopfsteinpflaster hernieder. Dank der dicken Wasserspritzer sehe ich durch meine Brille nur noch wie durch einen verzerrten Glasbaustein. Selbst mit den Böden von Cola Flaschen hätte ich schärfer gesehen. Durch große Pfützen hüpfend, ja das mache ich selbst dem Kindesalter entwachsen noch immer, auch wenn die Pfütze auf der anderen Straßenseite liegt und ich nur um in das verspielte Nass zu Hopsen dann gerne mal in wirren Schlangenlinien die Gasse passiere, bahne ich mir meinen Weg zum 24-Stunden-Kiosk an der Ecke, der gnädigerweise einen Steinwurf von meiner…      »Weiterlesen

Allgemeines

Frische 28 Lenze, wilder Kreativkopf, Horrorfilm-Enthusiastin, Bücherwurm, passionierte Zahn- und Knochen- sammlerin und Seefahrtsträumerin mit einem großen Herz für ausgestopfte Tiere aller Art.