Gruselnachtgeschichten

übers Leben, Lieben und Leiden

Auf dem Kiez ist immer was los

Nach knapp 10 Jahren des Lebens auf dem Kiez, kann mich so schnell eigentlich nichts mehr schocken. Mich wundert auch nichts mehr. So ist es ganz normal, dass ein offenkundig aus dem Krankenhaus geflohener Mann, dem der Katheterbeutel noch um die Beine schwingt splitternackt auf dem Fahrrad über die Reeperbahn fährt, oder ein Krankenwagen der mitten in der Nacht vorm SM-Studio in meiner Straße hält und Minuten später mit einem in Lack gekleideten Mann auf einer Trage wieder heraus kommt, wobei die Plane die man über ihn gelegt hat am Unterleib eigenwillig in die Höhe ragt. Hier ist einfach immer was los. So war ich letztens mit einem Freund im Auto unterwegs, obwohl wir auf der Davidstraße nicht wirklich weiterkamen, denn zwei Kerle prügelten sich mitten auf der Kreuzung gegenseitig das Hirn aus den Schädeln. Da die Davidwache ja in diesem Fall wirklich einen Steinwurf entfernt war, war die Polizei sofort zur Stelle und schleifte die beiden Prügelhähne von der Straße. Einmal stand ich bei meinem geliebten Kiez-Penny an der Kasse in der Schlange, studierte die Auslage der Süßigkeiten und überlegte ob und wenn ja ich welches von den süßen Köstlichkeiten mitnehmen sollte, als der offenkundig strunzbetrunkene Mann vor mir…      »Weiterlesen

Peng! Peng! Peng!

Wenn man auf dem Kiez wohnt ist das mit Knallerei so eine Sache: Man weiß nie ob jemand die Chinaböllerreste verfeuert oder gerade jemand erschossen wird.

Blondierung, Haschisch und die durchlöcherte Jogginghose

Die ganze Geschichte beginnt einen Tag zuvor. Abends klingelte die Polizei an meiner Tür und fragte ob ich schon mal eigenwilligen Geruch im Hausflur vernommen hätte. Auf dem Kiez riechen alle Hausflure eigenwillig. Eine fiese Mischung aus Obdachlosenpisse, Bier, Schweiß, faulen Eiern und Marihuana. Auf letzteres spielten die Ordnungshüter an. Als eingefleischte Drogenablehnerin weiß ich aber leider wie sowas riecht, denn es kommt nicht selten vor, das Bewohner des Hauses mit Joint durchs Haus latschen, ihren Ganjageruch überall verteilen und teilweise die Stummel im kleinen Mülleimer unter den Briefkästen entsorgen. Genau das teilte ich den netten Herren in Uniform mit und konnte auf Nachfrage, wer das denn genau sei, leider nur mit einem Achselnzucken antworten. Die Polizisten bedankten sich und setzten ihre Befragung eine Wohnungstür weiter fort. Ein Tag später. Es war 22:14 Uhr, ich hatte gerade frisch die Blondierung auf dem Kopf um den wilden Horroansatz der meine straßenköterbraune Naturhaarfarbe zeigte zu eliminieren, als es klingelte. Wenn ich mir die Haare neu blondiere, trage ich immer das älteste T-Shirt, das mein Kleiderschrank hergibt, das schwarze Shirt ist am Kragen schon ganz Orange und weiter runter schön besprenkelt, sodass es fast aussieht wie ein Jackson-Pollock-Kunstwerk. Dazu stilecht kombiniert meine allerliebste…      »Weiterlesen

Der Portier von St. Pauli

Damals, als ich noch jung und knackig war, naja knackig weniger, aber jung und mitten im Studium, da war es Gang und Gebe, das Kommilitonen mitten in der Nacht zum Kreativbier zu mir kamen. Ich wohnte strategisch perfekt im Erdgeschoss, so niedrig, dass man ohne weitere Mühe einfach an mein Fenster klopfen konnte. So hatten nun eine Handvoll Leute Klopfzeichen etabliert, mit denen ich sofort erkannte, wenn denn nun zum Genuss des Gerstensaftes vor der Tür stand, ohne mich überhaupt erhoben zu haben um zur Tür zur marschieren. Die Jugend ist vorbei, knackig war ich nie und die bierbeseelten Klopfzeichen gibt es auch nicht mehr. Wir sind reifer geworden, so sagt man das glaube ich, wenn man nun nicht mehr das studentische Lotterleben führt, sondern einen normalen Tagesrhythmus hat, der Arbeit, eine feste Beziehung und gottlob sogar Kinder und ein Haus beinhaltet, dann ist die Sturm und Drang Zeit wohl vorbei. Ich vermisste die Klopfzeichen, da sie doch recht abrupt endeten. Meine Bierfreunde zogen fort, hatten keine Zeit mehr oder widmeten sich nun der Planung und Gründung einer Familie. Ab und zu standen die üblichen Verdächtigen grinsend mit einem Sixer Bier vor der Tür und ließen mit mir die alten…      »Weiterlesen

Die Straße der Musik

Ich lebe auf St. Pauli, das schon seit 8 Jahren und aus voller Überzeugung und mit viel Liebe für diesen Stadtteil. Es gibt viele Sachen, die ich an dieser Ecke in Hamburg mag, aber das Beste ist wohl die Straße der Musik. Also eigentlich ist eine Straße an der sich eine Kneipe an die nächste reiht, in der die Bars quasi fließend ineinander übergehen und man ob Tag oder Nacht konstant von Musik beschallt wird. Natürlich muss man in dieser Straße mit dem streckenweise beißenden Geruch von Kotze in Verbindung mit literweise frischer Pisse umzugehen wissen, doch wenn man das erstmal ausschaltet und das kann man nach fast einem Jahrzehnt des Kiezlebens in Perfektion, dann ist die Straße wie ein großes Radio. Egal wohin ich gehe, ich versuche immer durch diese Straße zu gehen. Vor allem wenn das Wetter mal wieder grau und miesepetrig ist, die Stimmung gleich mit ins Bodenlose stürzt und man eigentlich gar nicht raus will, obwohl man muss und das warme Bett so herzzerreißend nach einem schreit, dass man gleich ein schlechtes Gewissen kriegt. Genau dann ist diese Straße Gold wert. Aus jeder geöffneten Kneipentür schallt Musik, die von den trinkenden Besuchern mit Bedacht und hohem…      »Weiterlesen

Das menschliche Wimmelbild

Seine Hyperaktivität schlug sich vor allem in Konversationen nieder, in denen er zu einem wahren menschlichen Wimmelbild mutierte.

Das DNA-Desaster

Das blonde DNA-Desaster in Form eines 4jährigen Kreischviehs polterte elefantös die Stufen herab und skandierte unaufhörlich die Vorliebe für Fisch in Stäbchenform.

Das Skelett im Fenster

Manchmal ist es schon fast erschreckend, wie unaufmerksam ich bin. Wie wenig ich von der Welt um mich herum wahrnehme, obwohl es doch so vieles Schönes zu bestaunen gibt. Den Blick meist kerzengerade nach vorne gerichtet, erfasse ich größtenteils nur das was direkt vor meiner Nase liegt, hier und da ein geschwenkter Blick auf den Bürgersteig, oder da und dort mal ein kurzes Schauen nach rechts und links. Eines abends machte ich mich auf zu meinem fast schon rituellen Gang zum Kiosk, um mir köstliche Glimmstengel zu organisieren. Tagsüber vergesse ich einfach immer mit rauchbarem Gut einzudecken. Ich schlendere also meine Straße entlang, es nieselt und die Tropfen echoen platschend auf das dicke Kopfsteinpflaster hernieder. Dank der dicken Wasserspritzer sehe ich durch meine Brille nur noch wie durch einen verzerrten Glasbaustein. Selbst mit den Böden von Cola Flaschen hätte ich schärfer gesehen. Durch große Pfützen hüpfend, ja das mache ich selbst dem Kindesalter entwachsen noch immer, auch wenn die Pfütze auf der anderen Straßenseite liegt und ich nur um in das verspielte Nass zu Hopsen dann gerne mal in wirren Schlangenlinien die Gasse passiere, bahne ich mir meinen Weg zum 24-Stunden-Kiosk an der Ecke, der gnädigerweise einen Steinwurf von meiner…      »Weiterlesen

Tatütata

Um 4:30 morgens ist mein Zimmer auf einmal in kreischendes blaues Licht getaucht. Es wird Sturm geklingelt. Meine Neugierde zwingt mich an die Jalousien, die ich ein fingerbreit auseinander drücke um heimlich hindurchzulinsen. Vor meinem Fenster haben sich ein Polizeiwagen und zwei Feuerwehrautos versammelt, zur nächtlichen Gefahrenabwehr. Ich setze mich auf die Fensterbank und starre weiter. Während der Polizeiwagen und das erste Feuerwehrauto von dannen schleichen, bringt sich Feuerwehrauto 2 direkt vor meinem Fenster in Position. Phallusartig wird der Kranarm ausgefahren und zielsicher zum Balkon 2 Etagen über mir navigiert. Im Krankorb zwei überwichtige Feuerwehrmänner mit schwerem Gerät in Form von allerlei Hämmern und andere Zerstörungsobjekten. Einen Moment später wird das äußerst hellhörige Haus von Hammerschlägen auf Metall erschüttert, direkt danach Klirren Fensterscheiben. Es fliegen Glasscherben auf den Asphalt und es klingt wie ein Elefant im Porzellanladen, der gerade die komplette Auslage zertrümmert hat. Alle paar Minuten stapfen und trampeln diverse Feuerwehrleute durchs Treppenhaus, wie eine Herde Elefanten, dessen Anführer sich zuvor am Porzellan zuschaffen gemacht hat. Es folgt Gepolter, Geklirre, Gehämmer. Meine Neugierde ist gerade durch die Decke gegangen und wirre apokalyptische Vorahnungen lassen mich in Panik verfallen. Brennt das ganze Haus ab? Muss ich in zerlöcherter Jogginghose, ausgeleiertem…      »Weiterlesen

Die Fleischpastete

Da stand er nun. Im gleißenden Scheinwerferlicht auf den Brettern die die Welt bedeuteten. Das rohe Fleisch das nur schlecht als recht mit doppelseitigem Klebeband an ihm befestigt war stank zu Himmel. In der Hitze der Lichter roch es nach Verwesung, gemischt mit dem durchdringenden Gestank der Gewürzgurken, war es für Till ein wahrer Albtraum. Er stand wie angewurzelt vor der Jury, die ihn beäugten wie ein Stück Fleisch, was er ja de facto auch irgendwie war. Der rosarote Fleischsaft rann ihm die nackten Beinen herab, über die Füße, zu denen er sich in einer Lache ausbreitete und die wackeligen Bühnenbretter in eine glitschigen Rutschbahn verwandelte. Er verteufelte sich selbst, bei diesem Blödsinn überhaupt mitgemacht zu haben. Er hätte von vorn herein ablehnen sollen. Doch das war jetzt zu spät. Da musste er jetzt durch.

Er hatte einen völligen Texthänger. Der Text lag hinter der Bühne, handlich 3fach gefaltet auf dünnem A4-Papier, er hätte den Zettel doch irgendwie in seinem Kostüm verstecken müssen, irgendwie. Auch wenn der Fleischsaft die wertvollen Zeilen wahrscheinlich binnen Sekunden in eine unleserlich verlaufene Masse an schwarzer Tinte verwandelt hätte. In Panik begann er immer deutlich merkbarer zu zittern. Das lose Fleisch klatschte immer wieder an seine nackte Haut und erfüllte das fast menschenleere Theater, in dem es die peinliche Stille wie ein scharfes Messer durchschnitt. Je mehr sich Till konzentrierte um Ruhe zu bewahren und das Zittern zu stoppen, desto schlimmer wurde es. Seine Lippen bebten.

Allgemeines

Frische 28 Lenze, wilder Kreativkopf, Horrorfilm-Enthusiastin, Bücherwurm, passionierte Zahn- und Knochen- sammlerin und Seefahrtsträumerin mit einem großen Herz für ausgestopfte Tiere aller Art.