Gruselnachtgeschichten

übers Leben, Lieben und Leiden

Tatütata

Um 4:30 morgens ist mein Zimmer auf einmal in kreischendes blaues Licht getaucht. Es wird Sturm geklingelt. Meine Neugierde zwingt mich an die Jalousien, die ich ein fingerbreit auseinander drücke um heimlich hindurchzulinsen. Vor meinem Fenster haben sich ein Polizeiwagen und zwei Feuerwehrautos versammelt, zur nächtlichen Gefahrenabwehr. Ich setze mich auf die Fensterbank und starre weiter. Während der Polizeiwagen und das erste Feuerwehrauto von dannen schleichen, bringt sich Feuerwehrauto 2 direkt vor meinem Fenster in Position. Phallusartig wird der Kranarm ausgefahren und zielsicher zum Balkon 2 Etagen über mir navigiert. Im Krankorb zwei überwichtige Feuerwehrmänner mit schwerem Gerät in Form von allerlei Hämmern und andere Zerstörungsobjekten. Einen Moment später wird das äußerst hellhörige Haus von Hammerschlägen auf Metall erschüttert, direkt danach Klirren Fensterscheiben. Es fliegen Glasscherben auf den Asphalt und es klingt wie ein Elefant im Porzellanladen, der gerade die komplette Auslage zertrümmert hat. Alle paar Minuten stapfen und trampeln diverse Feuerwehrleute durchs Treppenhaus, wie eine Herde Elefanten, dessen Anführer sich zuvor am Porzellan zuschaffen gemacht hat. Es folgt Gepolter, Geklirre, Gehämmer. Meine Neugierde ist gerade durch die Decke gegangen und wirre apokalyptische Vorahnungen lassen mich in Panik verfallen. Brennt das ganze Haus ab? Muss ich in zerlöcherter Jogginghose, ausgeleiertem…      »Weiterlesen

Die Fleischpastete

Da stand er nun. Im gleißenden Scheinwerferlicht auf den Brettern die die Welt bedeuteten. Das rohe Fleisch das nur schlecht als recht mit doppelseitigem Klebeband an ihm befestigt war stank zu Himmel. In der Hitze der Lichter roch es nach Verwesung, gemischt mit dem durchdringenden Gestank der Gewürzgurken, war es für Till ein wahrer Albtraum. Er stand wie angewurzelt vor der Jury, die ihn beäugten wie ein Stück Fleisch, was er ja de facto auch irgendwie war. Der rosarote Fleischsaft rann ihm die nackten Beinen herab, über die Füße, zu denen er sich in einer Lache ausbreitete und die wackeligen Bühnenbretter in eine glitschigen Rutschbahn verwandelte. Er verteufelte sich selbst, bei diesem Blödsinn überhaupt mitgemacht zu haben. Er hätte von vorn herein ablehnen sollen. Doch das war jetzt zu spät. Da musste er jetzt durch.

Er hatte einen völligen Texthänger. Der Text lag hinter der Bühne, handlich 3fach gefaltet auf dünnem A4-Papier, er hätte den Zettel doch irgendwie in seinem Kostüm verstecken müssen, irgendwie. Auch wenn der Fleischsaft die wertvollen Zeilen wahrscheinlich binnen Sekunden in eine unleserlich verlaufene Masse an schwarzer Tinte verwandelt hätte. In Panik begann er immer deutlich merkbarer zu zittern. Das lose Fleisch klatschte immer wieder an seine nackte Haut und erfüllte das fast menschenleere Theater, in dem es die peinliche Stille wie ein scharfes Messer durchschnitt. Je mehr sich Till konzentrierte um Ruhe zu bewahren und das Zittern zu stoppen, desto schlimmer wurde es. Seine Lippen bebten.

DOE

Dieser Bürostuhl war so etwas wie meine Rückzugsmöglichkeit geworden. Ich setzte mich in ihn hinein, zog die Beine an, schob mein Kinn zwischen die Knie und kehrte meiner Bürotür den Rücken zu. Die Aussicht die ich nun erspähte war sagenhaft. Ein kaltes, verregnetes SoHo. Kühl und elegant, mächtig und unbezwungen lag es vor mir. Ich konnte den ganzen Stadtteil überblicken, man fühlte sich geradezu göttlich. Als Herrscher über den Wolken, doch davon war ich meilenweit entfernt. Auf meinem Schreibtisch lag seit einer geschlagenen Woche die Akte „Doe“. Ich hasse Akten, die ich aufschlage und auf der ersten Seite gleich den Namen „Doe“ lese. Man hätte die Person auf Mister X oder Mister Unidentifiziert nennen könne, das käme aufs gleiche raus. Irgendwas an diesem Fall ließ mich nicht los. Ich hatte seit der Tat im Büro übernachtet, auf meinem Herrscherthron, auf die Stadt gestarrt und zwanghaft versucht einen Hinweis in den hinter letzten Ecken meines Verstandes und meines Bewusstseins zu finden. Doch nichts. Nicht mal ein Funken. Ich arbeitete nun seit 6 Jahren in diesem Revier, als kleiner, nichtiger Polizist, dem immer nur die langweiligen und öden Tätigkeiten zugeschoben wurde, in der Tat waren die Schreibmaschine und ich in den letzten…      »Weiterlesen

Köstlichkeiten

Zu den körperlichen Köstlichkeiten des Kühlschrankes gesellte sich neben den Eichelkäse nun auch das Hodenfett, und verlängerte somit die Reihe.

Spiel mit mir

Inspiriert von der Film-Reihe “SAW” Der beißende Geruch verrottenden Fleisches zog mir unaufhaltsam in die Nase und riss mich aus einem Zustand völliger Bewusstlosigkeit. Als ich erwachte spürte ich zuerst den steinharten Boden unter mir, der komplett mit einem klebrigen Film überzogen war. Ich öffnete langsam meine Augen, dessen Lider wie tonnenschwere Vorhänge meine Sicht versperrten. Ich blickte nun in ein wahres Loch. Der dunkle Raum war spärlich mit alten Halogenlampen beleuchtet, die Wände die vormals wohl eine Art hellbraunen Anstrich hatten, waren über und über mit Dreck und Blut beschmiert. Eine Wasserleitung die hinter der Wand neben mir geplatzt zu sein schien, übersäte die ganze Wand mit nassem Schimmel und sorgte für eine klamme und dicke Luft. Es stank nach alten Möbeln, nach unbewohntem und völlig verlassenem Raum, so als hätten diese Wände schon seit Jahrzehnten niemanden gesehen. Ich blickte nach unten auf meine nackten Füße, die schon völlig mit der klebrigen, ekelhaften Substanz bedeckt waren, die sich über die ganzen Fußbodenkacheln wie eine Lache breitete. Um mich erstmal zu orientieren ließ ich meinen Blick durch den Raum schweifen. Nicht einmal zehn Zentimeter vor mir begann ein wahres Meer aus Stacheldraht. Die Drahtbahnen waren über die ganze Breite des…      »Weiterlesen

Die Gefühlsachterbahn

Es war wie eine Gefühlsachterbahn mitten durch Halloweentown, ein Euphoriensammelsorium direkt aus der Hölle. Eine Ansammlung menschlichem Abfalls, gebündelt in Emotionen und mentalem Stumpfsinn, der sich durch die tiefsten Hirnwindungen fraß und so jeden zu einem Ausbruch persönlicher Empfindungen trieb.

Achterbahn des Grauens III

Die Männer in Neonorange waren nun also hastig zu Abteil 7 gestürmt, während sich die gröhlende Meute im Inneren meines Abteils etwas beruhigte. Alles wartete mit Spannung darauf was nun als nächstes geschehen würde. Bertram röchelte derweilen ins Handy. Es klang wie eine dieser alten, knarrenden, metallenen Küchenmaschinen die gut und gerne eine ganze Kanne Öl gebrauchen könnten. Ihre/seine Stimme klang schlimmer als Rod Steward, Bonnie und Steven Tyler zusammen im Mixer, plus gefühlte 3 Wagenladungen Whiskey und Zigarren. Völlig unbemerkt hatte ihr/sein winziges, unmenschlich altes Nokia-Handy vibriert und sie/er hatte ganz verstohlen, hinter den wuscheligen Haaren versteckt das Gespräch entgegen genommen. »Nein, lieber Wilhelm, nein, ich sagte doch. Ich komme später. Da ist wohl jemand in notärztlicher Behandlung, da die Person unter äußerst schweren Verletzungen zu leiden scheint, oder in körperlich unfassbarer Verfassung ist. Ich bin untröstlich dich dieser Verspätung aussetzen zu müssen, und nun wahrscheinlich erst 10 Minuten später dein herziges Antlitz wieder betrachten kann.« Ich muss Bertram angestarrt habe wie ein geistesgestörter Hirsch. Mit weitaufgerissenen Augen fraß ich ihn/sie mit meinem Augäpfel geradezu auf. Mit solch einem Wortlaut hätte ich jetzt wirklich nicht gerechnet, war mir aber auch nicht so ganz sicher ob er/sie das wirklich so…      »Weiterlesen

Achterbahn des Grauens II

Torben-Hendrik war nun also wohlbehalten wiedergekehrt, hatte sein bestialisch stinkendes Käse-Vollkorn-Sandwich verspeist und das ganze mit einem winzigen Tetrapack Apolinaris runtergewürgt. Das Wasser schmeckte wahrscheinlich schlechter alles jedes kühle Nass aus öffentlichen Toiletten, aber naja, Torben war, was Essen und Körperhygiene zugleich anging, ja anscheinend nicht so pingelich. Während sich im ganzen Zug nun langsam Panik ausbreitete, da ja ein Arzt (der sich in Form von diversen Securities, Polizisten, Landärzten und Bundeswehrsoldaten manifestiert hatte und durchs Abteil gestürmt war) in Abteil 7 verlangt wurde, und man immernoch nicht genau wusste was dort nun genau vorgefallen war. Unbändig neugierig und verabscheuungswürdig schaulustig, machte sich das erste kleine Grüppchen auf in Richtung Abteil 7. »Nur mal gucken!«, grinste die blonde, hagere Frau die eben noch ihren halben Kirschsaft über das Tischchen nebenan gerotzt hatte, während Pummelchen Gundula voll Schamesröte errigierte, männliche Fleischwürste bestaunte. So eilte der Tross los. Irmtraut war kaum noch zu halten. »Ich hoffe die kommen gleich wieder und erzählen was los ist. Bestimmt Tote, vielleicht ein Amokläufer oder…« brabbelte sie in hoher, fast keifender Stimme vor sich hin und bildete langsam aber sicher dicken weißen Schaum vor Euphorie um die alten, knitterigen Lippen. Der slipknotbeshirtete Mann hinter ihr raunte…      »Weiterlesen

Achterbahn des Grauens I

Ich betrat den ICE, rempelte dabei gefühlte 200 Leute über den Haufen, kloppte meinen Koffer gegen Minimum doppelt so viele Kniescheiben und Schienbeine, aber das war mir egal. Stehend würde ich diese 1 1/2stündige Zugfahrt sicher nicht mit schmerzfreien Gelenken und einem reinen Geist überleben. Schnell tippelte ich durchs Abteil. Alles voll. Hastig blickte ich mich um, bis ein großer, bärtiger Mann mit braunem Lockenkopf aufstand und mir den Fensterplatz neben sich anbot. Er buckelte sogar meinen unmenschlich schweren Koffer auf die obere Ablage. »Wie nett«, dachte ich und pflanzte mich neben ihn. Ein Fehler wie ich schnell bemerkte, doch dazu später mehr. Ich saß nun also an einem dieser hässlichen Tischchen, das vor orangen Fruchtsaftflecken klebte wie Pattex Kompakt. Rechts neben mir der Blick in das langsam dunkelnde Hannover, links, der bärtige Mann. Mir gegenüber hatte sich eine Dame Mitte 70 platziert, klein und wuchtig mit großen Speckröllchen (wie ich erst später merkte waren das keineswegs Speckröllchen, sondern einfach unfassbar tiefhängende, schlauchartige Brüste, was mich den Entschluss fassen ließ NIEMALS, aber wirklich NIEMALS so alt werden zu wollen), neben ihr saß eine jüngere Frau. Naja, Frau wäre falsch. Burschikose Frau, oder femininer Mann, oder beides. Ich taufte sie spontan…      »Weiterlesen

Das Messer

Ein Messer ist nicht so plump oder lieblich wie ein Löffel. Niemand würde in ihm etwas Aggressives oder Gefährliches sehen. Er ist eher so ein alter, dicker Mann der sich gutmütig seufzend in der Sofaecke niederlässt und seine Rente genießt. Ein Messer ist eher wie eine Gabel. Spitz und aggressiv, gefährlich und offensiv. Aber als Mordinstrument eher ungeeignet, obwohl geeignet schon, aber bei weitem nicht so stilvoll wie mit einem Messer. Eine Gabel ist wie ein aufbrausender, gröhlender Rebell mit Irokesenschnitt und zerfledderten Klamotten. Ein Messer ist ein Mann im Anzug, wie ein Anwalt, außen unscheinbar und glatt, aber zu allem fähig. Scharf und schneidig kommt es daher, ohne aber dabei seinen Stil zu verlieren.

Allgemeines

Frische 28 Lenze, wilder Kreativkopf, Horrorfilm-Enthusiastin, Bücherwurm, passionierte Zahn- und Knochen- sammlerin und Seefahrtsträumerin mit einem großen Herz für ausgestopfte Tiere aller Art.