Gruselnachtgeschichten

übers Leben, Lieben und Leiden

Spiel mit mir

Inspiriert von der Film-Reihe “SAW”

Der beißende Geruch verrottenden Fleisches zog mir unaufhaltsam in die Nase und riss mich aus einem Zustand völliger Bewusstlosigkeit. Als ich erwachte spürte ich zuerst den steinharten Boden unter mir, der komplett mit einem klebrigen Film überzogen war. Ich öffnete langsam meine Augen, dessen Lider wie tonnenschwere Vorhänge meine Sicht versperrten. Ich blickte nun in ein wahres Loch. Der dunkle Raum war spärlich mit alten Halogenlampen beleuchtet, die Wände die vormals wohl eine Art hellbraunen Anstrich hatten, waren über und über mit Dreck und Blut beschmiert. Eine Wasserleitung die hinter der Wand neben mir geplatzt zu sein schien, übersäte die ganze Wand mit nassem Schimmel und sorgte für eine klamme und dicke Luft. Es stank nach alten Möbeln, nach unbewohntem und völlig verlassenem Raum, so als hätten diese Wände schon seit Jahrzehnten niemanden gesehen. Ich blickte nach unten auf meine nackten Füße, die schon völlig mit der klebrigen, ekelhaften Substanz bedeckt waren, die sich über die ganzen Fußbodenkacheln wie eine Lache breitete. Um mich erstmal zu orientieren ließ ich meinen Blick durch den Raum schweifen. Nicht einmal zehn Zentimeter vor mir begann ein wahres Meer aus Stacheldraht. Die Drahtbahnen waren über die ganze Breite des Raumes gespannt und bildeten ein enges Netz. Hinter den knapp 10 Metern Stacheldraht erblickte ich am anderen Ende des Raumes einen alten Fernseher. Ein Modell wie es heute höchstwahrscheinlich schon museumsreif war. Am Ende der Wand rechts von mir erspähte ich eine Tür auf die laienhaft in weißer, dicker Wandfarbe das Wort ,Quit` geschmiert wurde, genau gegenüberliegend befand sich noch eine Tür, die auch eine Beschriftung hatte: ,Continue`. Ich kam mir vor wie bei einem schlechten Scherz oder einem für meine Verhältnisse zu realen Albtraum.

Außer den beiden Türen am Ende des Raumes schien es weiter keinen Ausgang zu geben. Ich richtete mich vorsichtig auf und ließ meinen Blick ein weiteres Mal durch den Raum kreisen. Nichts. ,,Hilfe! Hört mich jemand?” Ich schrie in der Hoffnung, dass mich jemand hörte, doch das Einzige was zurück kam war mein Echo. Ich hörte wie mein Schrei durch mehrere Räume zu schallen schien, ich musste also in einem verlassenen Haus sein, dem Hall nach zu äußern sogar ein altes Fabrikgebäude. Ich schrie erneut. Auf eine Antwort wartete ich vergeblich. Ich beschloss einen Schritt nach vorne zu machen, näher an den Stacheldraht, um mir ein genaueres Bild machen zu können. Ich hoffte einen Weg durch das Drahtgewirr zu finden und so vielleicht durch eine der Türen fliehen zu können, doch mein Plan wurde schnell durchkreuzt. Ich setzte meinen Fuß vorsichtig vor mich und spürte wie die Kachel direkt unter meinem Fuß nachzugeben schien. Der Fernseher am anderen Ende des Raumes sprang an und bot mir ein lautes Rauschen. Kurze Zeit später erblickte ich eine Puppe auf dem Schirm. Das weiße Gesicht, das rote Zielscheiben auf die Wangen gemalt hatte, starrte mich mit seinen großen roten Augen an. Die Puppe die mich gleichzeitig höhnisch angrinste und mir einen Schauer über den Rücken jagte, hatte eine unheimliche Ausstrahlung. Sie war eine Art Bauchrednerpuppe, nur sah man nie die Person die ihr Leben einhauchte. Der Puppenkiefer klappte nach unten und eine tiefe Stimme kam hervor. ,,Oskar, die Menschen schätzen ihr Leben viel zu wenig. Ich möchte, dass du eine Entscheidung triffst. Willst du dein Leben fortsetzen oder gleich aufgeben? Ich will sehen wie sehr du dein Leben schätzt. Schätzt du es so sehr, dass du dich als Beweis dafür selbst verletzt? Fälle deine Entscheidung. Zeige sie mir anhand deiner Wahl einer Tür.” Die Puppe verschwand vom Fernsehschirm und das Rauschen setzte wieder ein, bevor der Fernseher dann kurze Zeit später ganz aus ging. Mir lief ein kalter Schauer über den Rücken. Irgendwie kam mir diese ganze Szenerie zu bekannt vor. Vor ein paar Monaten ging eine Reihe von Morden durch die Zeitungen, in denen die Opfer in bestialischen Spielen starben. Dem Mörder schien es Spaß zu machen, den Menschen in den Fallen die er für sie gebaut hatte, leiden zu sehen. Und nun saß ich in einer solchen Falle. Warum, darüber konnte ich nur spekulieren. Aber eins war mir klar. Wer auch immer mich hier rein gebracht hatte, er beobachtete mich. Jetzt in diesem Moment. Und hatte wahrscheinlich Spaß dabei.

Ich musste also offensichtlich durch den Stacheldraht, ob ich wollte oder nicht, denn das war mein einziger Ausweg. Ich begann mir im Kopf einen Weg durch den Draht zu suchen, ich würde mich verletzten das war klar, daran war ich ja schon gewöhnt. Ich biss also die Zähne zusammen und beschloss es diesem Schwein von Spielmacher zu zeigen. Ich setzte den ersten Fuß zwischen zwei Drahtreihen und überlegte dann erst wieder kurz meinen nächsten Schritt. Ich von einem lauten Knacken aus meinen Gedanken gerissen. Hinter den Wänden schienen sich Zahnräder in Gang zu setzen, die sich ächzend und knarrend zu bewegen begannen. Ich starrte an die Wände und wartete was nun kommen würde und bemerkte nicht, wie sich die Stacheldrahtbahnen zu meinen Füßen in Bewegung setzten und sich zu verkeilen und verhaken begannen. Die scharfen Spitzen des Drahtes bohrten sich in das Fleisch meiner Füße und ließen mich aufschreien. Für lange Überlegungen war also kein Platz mehr, hastig und wahllos sprang ich durch den Draht, der mich immer wieder hart und unberechenbar in die Hacken traf. Von Sprung zu Sprung viel es mir schwerer da ich mich kaum noch auf den Füßen halten konnte. Der Stacheldraht hatte mir fast die kompletten Sehnen in den Hacken durchgerissen und nun hatte ich fast keine Kontrolle mehr über meine Füße. Hinzukam, dass die Blutlache die ich hinterließ den Boden in eine glitschigen Rutschbahn verwandelte. Ich hatte noch knapp zwei Meter Horrornetz vor mir und stolperte mehr oder minder die letzten Schritte in Richtung Freiheit. Ich war völlig außer Atem, ich spürte meine Füße nicht mehr und die stickige Luft und der unaufhaltsame Blutverlust verbesserten meine Situation nicht unbedingt.

Die letzte Stacheldrahtbahn lag vor mir und mit der letzten Energie die mir blieb setzte ich meinen Fuß darüber. Ich konnte kaum noch richtig stehen und wankte haltlos hin und her. Zu gelegen kam mir das Stück Seil, das von der Decke hing. Ich klammerte mich mit aller Kraft daran fest und versuchte mein ganzes Gewicht von den Füßen zu nehmen. Mein Blick schweifte nach unten und erspähte meine Hacken die nur noch aus wundem Fleisch bestanden und aus denen unaufhaltsam das Blut schoss. Ich versuchte erstmal durchzuatmen. Ich hatte es geschafft. Zwar ziemlich ramponiert, aber ich hatte es geschafft. Nun musste ich mich nur noch für eine Tür entscheiden. Was hatte die Puppe gesagt? ,Willst du dein Leben fortsetzen oder gleich aufgeben? ` Die Beschriftung musste sich also auf den Hinweis der Puppe beziehen, denn soviel war klar, der Kerl der hinter all diesem steckte hatte einen Plan. Hier hatte nichts mit Schicksal oder Zufall zu tun. Das war alles pure Berechnung. Also entschloss ich mich für die Tür mit der Aufschrift ,Continue`, denn ich wollte mein Leben schließlich fortführen und nicht aufgeben.

Ich mobilisierte gerade mein Kräfte und fühlte mich überlegen, da ich dachte ich hätte den Mann hinter diesem Spiel durchschaut, da hörte ich wieder ein Knacken. Instinktiv schaute ich nach unten, denn beim letzten Knacken setzten sich die Stacheldrahtbahnen in Bewegung. Diese hatten allerdings schlagartig angehalten. Ich hielt mich weiterhin mit der rechten Hand an dem Seil über mir fest und balancierte so von einem Fuß zum anderen. Ich harrte aus und wartete was nun passierte. Aus dem Nichts schoss eine weitere Bahn Stacheldraht über mir, die in Windeseile über mich hinweg fegte. Ich ließ schlagartig das Seil los, doch es war zu spät. Mit voller Kraft riss mir der Draht die rechte Hand ab. In völligem Schock ließ ich mich fallen und schrie vor Schmerzen. Entgeistert starrte ich auf meinen rechten Arm an dem vor ein paar Sekunden noch meine Hand thronte. Mir schossen die Tränen in die Augen und ich schaute mich zitternd um. Ich hatte mich wohl doch zu sicher gefühlt. Ich griff nach meiner abgerissenen Hand und kroch in Richtung Tür. Ich wollte hier nur noch raus. Weg von hier. Vielleicht konnte meine Hand noch gerettet werden. Ich kroch weiter zur Tür und schlug dagegen. Die Tür war verschlossen. Ich schaute mich um, irgendetwas musste ich übersehen haben. Es gab einen Weg hier raus. Ich musste ihn nur finden. Ich begann um der Tür herum nach einer Art Geheimversteck oder Loch zu suchen in dem der Schüssel zur Tür versteckt war. Nichts. Ich lehnte mich an die Tür und atmete durch. Das war doch alles ein verdammter Scherz. Für einen kurzen Moment schloss ich meine Augen und versuchte mich zu beruhigen. Panisch zu werden half jetzt nichts, dann würde ich wahrscheinlich unüberlegt handeln und wieder etwas übersehen. Ich öffnete meine Augen wieder und beschloss mein Glück bei der anderen Tür zu versuchen. Langsam kroch ich auf allen Vieren, besser auf Dreien, da mein rechter Arm ja mehr oder minder ausfiel, zur Tür mit der Aufschrift ,Quit`. Auf dem Weg dorthin viel mir ein kleiner Haufen Dreck ins Auge aus dem ein silbernes kleines Etwas hervor blitzte. Ich griff in das Dreckhäufchen, bekam ein viereckiges Metallgerät zu packen und zog es heraus. Es war ein kleines Tonbandgerät. Ich öffnete es vorsichtig. In im lag eine kleine Kassette auf dem mit einem schwarzen Filzstift der Schriftzug ,Play me` geschrieben stand. Ich schloss das kleine Verdeck wieder und drückte auf Play. Ein ekelhaftes Rauschen ertönte. Wieder hörte ich die Stimme der Puppe. ,,Herzlichen Glückwunsch Oskar. Offensichtlich hast du es über das Stacheldraht Feld geschafft. Hast du dich schon für eine Tür entschlossen? Wahrscheinlich bist du schon daran gescheitert eine dieser Türen zu öffnen. Du glaubst doch nicht ernsthaft dass ich es einem kleinen Junkie wie dir so leicht mache oder? Manchmal musst du einen Teil von dir Opfern um an dein Ziel zu gelangen. Hinter der Wand auf die du blickst habe ich einen kleinen Ofen installiert, der es dir leichter machen sollte. Also, Oskar. Bist du bereit ein Opfer zu bringen?” Mit einem Rauschen klang das Band aus.

Ich kniete mich vor die Wand, die die Puppe beschrieben hatte und klopfte. Irgendwo dahinter musste dieser Ofen sein. Er wollte mir doch wirklich die Chance nehmen meine Hand zu retten, das war doch was er wollte. Einen Teil von mir opfern. Meine Hand. Nach kurzem Abklopfen hatte ich eine hohle Stelle in der Wand gefunden und begann so gleich die Tapete herunter zu reißen. Dahinter kam ein kleiner schwarzer Ofen zum Vorschein, die Glasscheibe bot freie Sicht ins Innere wo die lodernde Glut bereits auf ihr Opfer wartete. Ich öffnete die Tür, warf noch einen letzten Blick auf meine abgetrennte Hand, die sich langsam etwas bläulich verfärbte und legte sie hinein. Mit einem Knopf neben dem Ofen, der in die Wand eingelassen war brachte ich den Ofen in Gang und wartete. Worauf das wusste ich nicht. Ich hatte mein Opfer gebracht, doch wie sollte mir das die Tür öffnen? Ich wartete und starrte in die Flammen. Der Gestank von brennendem Fleisch zog mir in die Nase und ließ in mir ein Übelkeitsgefühl empor steigen. Ich wartete und starrte weiter. Die Flammen fraßen meine Hand in Sekundenschnelle, bis nur noch Asche und ein paar Knochen übrig waren. Plötzlich sprang die Tür des Ofens völlig automatisch auf. Mir schoss Rauch entgegen und versperrte mir einen Moment lang die Sicht. Nachdem der Rauch verzogen war, wagte ich einen Blick in den Ofen. Zwischen den Überresten meiner rechten Hand erblickte ich einen kleinen silbernen Schlüssel. Wie war dieser dort hin gekommen, hatte er vielleicht schon die ganze Zeit im Ofen gelegen und ich hatte meine Hand ganz umsonst den Flammen überlassen? Ich war wahrscheinlich wieder zu vorschnell und hatte unüberlegt gehandelt. Ich griff nach dem Schlüssel. Dieser war durch das Feuer noch ganz heiß und so ließ ich ihn reflexartig fallen. Ich ließ mich zurück auf den Boden sinken und atmete erstmal noch einmal tief durch. Das war doch alles krank. Der Mann der dieses Spiel mit mir trieb war krank. Wahrscheinlich saß er gerade vor seinen Monitoren und lachte, darüber dass ich in seine dummen Fallen getappt war. Ich griff nach dem Schlüssel neben mir und schreckte zurück. Auf der Oberfläche meiner linken Hand zeichnete sich ein Schlüssel ab. Ich ballte eine Faust und schaute genauer hin. Unter meiner Haut war ganz klar ein Schlüssel zu erkennen. Er hatte mir also Schlüssel unter die Haut geschoben. Anscheinend hatte ich meine rechte Hand doch nicht ganz umsonst verbrannt. Ich schaute weiter. Meine Arme entlang, meine Waden, bis hin zu meinen Füßen. Ich erschrak erneut. Auch unter der Haut meiner Füße waren Schlüssel. Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf. Wozu waren all diese Schlüssel? Für welche Türen waren sie? Konnte ich vielleicht doch keine Tür wählen sondern musste mich danach richten welchen Körperteil ich verloren hatte und welchen Schlüssel der Spielmacher dort eingepflanzt hatte? Ich schüttelte den Kopf. Für zu viele Gedanken war jetzt keine Zeit mehr. Ich wollte hier raus. Jetzt. Ich kroch zu meiner gewählten Tür zurück und probierte meinen Schlüssel. Er passte. Hastig drehte ich den Schlüssel um und zu meiner Erleichterung öffnete sich die Tür. Ich wagte einen Blick in das Dunkle was mich dort hinter erwartete. Ich kroch ein kleines Stück durch die Tür und schaute. Nichts. Nur der beißende Geruch der mich stark an ein Krankenhaus erinnerte. Ich konzentrierte mich auf das Dunkle und versuchte etwas zu sehen, als hinter mir, die Tür auf der gegenüberliegenden Seite mit einem schweren Tor verschlossen wurde. Aus der Decke schoss eine dicke Metallplatte die mir den Weg durch diese Tür versperrte. Ich hatte also meine Wahl getroffen und musste wohl oder übel weiter. Ich war noch der festen Überzeugung die richtige Entscheidung getroffen zu haben und kroch entschlossen weiter.

Ich war schon ein ganzes Stück in die Dunkelheit des Raumes gekrochen, als auch die Tür die ich gewählt hatte ins Schloss fiel. Auf einmal ging das Licht an. Das grelle Halogenlicht erschlug mich fast. Der Raum in dem ich nun gelandet war, war nicht sehr viel besser als der vorherige, und er war sicherlich nicht meine Erlösung. Im Gegenteil. Es schien als wäre ich in eine neue Falle getappt. Ich schaute umher, um mich zu orientieren. Ich sah nicht viel. Mein Blick viel geradeaus auf eine schmale Metalltreppe, eine solche die man sonst in einem Schwimmbad fand. Doch diese war völlig verrostet und morsch. Wie alles hier. Alt und klapprig, verdreckt und ekelhaft. Ich richtete mich langsam auf und hielt mich an der Wand fest und halbwegs gerade stehen zu können. Meine Hacken hatte ich in der ganzen Panik schon fast vergessen, doch nun, wo wieder mein ganzes Gewicht auf ihnen lastete schossen mir höllische Schmerzen den ganzen Körper hinauf. Ich bewegte mich langsam auf die Schwimmbadtreppe zu und blickte hinab. Vor mir lag ein riesiges altes Schwimmbecken bis zum Rand gefüllt mit alten Spritzen. Ein eiskalter Schauer schoss mir über den Rücken. Spritzen waren jahrzehntelang mein Lebensinhalt. Sie waren meine Freunde, mein Ein und Alles. Ich konnte nicht ohne sie. Doch nun, nach mehreren kalten Entzügen ließen sie mich nur noch schaudern. Langsam ging ich weiter auf die Treppe zu. Auf dem Rand des Schwimmbeckens, direkt neben der Treppe, lag ein weiteres Tonbandgerät. Auch in ihm war wieder eine Kassette mit der Aufschrift ‘Play me’. Ich atmete tief durch und drückte auf Play. Er wollte mich wirklich testen. Bis zum bitteren Ende.

Rauschen. ,,Hallo Oskar. Du bist so leicht zu durchschauen. Du nimmst die Dinge zu wörtlich und verlässt dich blind auf jeden. Und das hat dich nun hierher gebracht. Wärst du meinem viel zu offensichtlichen Hinweis auf die richtige Tür nicht gefolgt, hättest du deine Prüfung bestanden und würdest nicht in einem weiteren Spiel gefangen sein, denn hinter der anderen Tür hätte die Freiheit auf dich gewartet. Es lag an dir, dies ist deine Entscheidung. Mit Spritzen bist du, wie ich weiß, mehr als vertraut, also wird es dir auch nichts ausmachen ein Bad in ihnen zu nehmen um an die erlösende Tür zu kommen. Doch sei gewarnt, in jeder Spritze die du vor dir siehst befindet sich ein langsam wirkendes, tödliches Gift. Das Gegenmittel erwartete dich am Ende dieses Raumes. Wieder musst du eine Entscheidung treffen. Willst du das Spiel fortführen oder gleich aufgeben. Lebe oder Sterbe. Es ist deine Entscheidung.” Zum Schluss ertönte wieder ein Rauschen. Wütend ließ ich mich auf den Boden fallen. Wo war ich hier nur rein geraten? Wieso gerade ich? Wer war dieser geheimnisvolle Unbekannte der mich als Figur in seinem Spiel missbrauchte?

Eine Serie von mysteriösen Morden war vor einiger Zeit ans Licht gekommen als man einen nackten, leblosen Männerkörper im Keller eines alten Fabrikgebäudes fand. Er hatte in voller Panik versucht ein Netz aus Stacheldraht zu durchqueren und war auf halbem Wege qualvoll verendet. Direkt neben ihm fand sich ein Tonbandgerät, auf dem ihm mitgeteilt wurde, dass er sein Leben bis jetzt nicht geschätzt habe und er nun beweisen müsse, wie viel es ihm Wert sei. Innerhalb der nächsten Wochen fanden sich immer mehr Leichen, die in Fallen ums Leben kamen in denen sie beweisen mussten, dass sie ihr Leben schätzen und sich hierzu auch höllischen Schmerzen unterziehen würden. Das Besondere an den Fallen, waren ihre Ausgeklügeltheit und Präzision, doch hatten die Opfer sehr wohl immer eine Chance lebend zu entkommen. Besonders von Fiesheit und Arglist geprägte Falle wurde in der Presse als die ,,Code Falle” berühmt. Ein Mann wurde in eine Art Zelle gesperrt, in der die gesamten Wände mit Zahlen beschrieben waren. Die Zahlen stellten den Hauptaspekt dieser Falle dar, da sich in diesem Wirrwarr irgendwo der Zahlencode zum öffnen der Tür in die Freiheit befand. Mit genug Zeit wäre die Befreiung kein Problem gewesen, doch war das Opfer mit einer leicht entzündlichen Paste beschmiert, die Zelle nicht beleuchtet und als Lichtquelle fungierte nur eine kleine Kerze. Wie in den Zeitungen bekannt wurde, hatte das Opfer anscheinend die ersten 2 Stunden damit verbracht den Zahlencode zu knacken, bevor er in einem Moment der Unaufmerksamkeit zu nah an die Kerze geriet und bei lebendigem Leibe verbrannte. Nach monatelangem Hin und Her wurde der Mann hinter diesen Fallen enttarnt: Es war ein knapp 50-jähriger Mann namens John Kramer, der an Krebs erkrankt war und auf Grund seines Hirntumors nur noch wenige Wochen zu Leben hatte. Er hatte es sich in seinen letzten Lebenswochen zur Aufgabe gemacht den Menschen eine Lektion zu erteilen, die ihr Leben einfach weg schmissen und keinen Lebenswillen mehr zeigten. Sein Opferschema war denkbar einfach: jeder der sich selbst verletzte oder sich Schaden zufügte, oder andere Menschen quälte war ein potenzielles Opfer. Seine Opferliste reichte von Drogendealern, bis hin zu Junkies, Selbstmordgefährdeten, von Prostituierten bis hin zu Mördern. Sein Schema war einfach, wer seine Fallen überlebte würde nie wieder in alte Muster zurück fallen, sondern würde nun schätzen was er habe: ein gesundes Leben, dass nicht so bald enden würde. Etwas das ,,Jigsaw” (wie der Fallensteller in der Presse betitelt wurde, nachdem er seinen Opfern ein puzzelteilartiges Stück Haut aus dem Körper schlitzte, als Zeichen das ihnen der Lebenswille fehlte) nicht mehr hatte, denn seine Zeit war gezählt. Nach einiger Zeit wurde es still um den Fallensteller, wie sich später herausstellte hatte Jigsaw Amanda, ein ehemaliges Opfer, dass seine Falle überlebt hatte, zu seiner Nachfolgerin erklärt, doch bestand sie seine zweite ,,Prüfung” nicht und starb zusammen mit Jigsaw in einem Kugelhagel. Wenige Wochen später ging die Mordserie kurzzeitig von vorne los, doch brach nach nur zwei Fallen wieder ab. Aus der Presse war zu entnehmen, dass sich der Inspektor Hoffman kurzzeitig als neuer Jigsaw eingeschaltete hatte, doch schnell gefasst wurde. Seit dem war die Mordserie eingefroren.

Die Falle in der ich saß passte einfach zu gut in das Schema. Ich war ein Junkie. Heroin war mir wichtiger als alles andere auf der Welt. Und nun saß ich hier und musste beweisen, dass mir mein Leben doch noch etwas wert war. Doch wer schickte mich hier durch? Welcher neue Jigsaw war da auf den Plan getreten? Ich wusste es nicht. Ich würde es erst wissen, wenn ich es hier heile heraus geschafft hatte. Wenn ich Mumm und Ehrgeiz bewiesen hatte, um meinen Arsch zu retten. Ein Schwall unendlicher Energie durchströmte mich. Mein Ehrgeiz war geweckt. Ich ließ mich doch nicht einfach von irgendjemandem rumschupsen. Als Amüsement missbrauchen. Ich zog mich an dem alten, rostigen Handlauf neben der Treppe hoch und ließ meinen Blick schweifen. Irgendwie musste hier ein galanterer Ausweg versteckt sein. Ein Weg auf dem ich dem Bad in den Spritzen entgehen konnte, denn Spritzen waren das letzte was ich jetzt sehen wollte…

Keine Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>