Gruselnachtgeschichten

übers Leben, Lieben und Leiden

Was wird hier gedreht?

Manchmal würde ich gerne einen Zusammenschnitt aller Sendungen, Shows, Nachrichtenbeiträgen und sonstigem filmischem Materials sehen, in das ich irgendwie aus Versehen reingelaufen bin. Ich glaube das wäre ein abendfüllendes Programm. Aber von vorne…

Vor ein paar Jahren haben Filmemacher und Serienschreiber Hamburg und vor allem St. Pauli mit seinem einzigartigen Kiez als die perfekte Location für eigentlich fast alles erkoren. Warum, das weiß keiner so Recht. Vielleicht weil es schon nach Verbrechen und Finstereien riecht, weil Blei in der Luft liegt und diese ganz besondere Atmosphäre herrscht, die man sonst für viel Geld selber ertüfteln müsste.

Es gibt eigentlich fast keinen Tag, an dem ich während meiner täglichen Gänge über den Kiez nicht irgendwo in ein Kamerateam laufe. Das ist dann aber kein 3-Mann-Ensemble mit Kamera-, Ton- und Lichtmann sondern eine Entourage von mindestens 100 Leuten, die alle unfassbar wichtig in ihre Walkie-Talkies quatschen und immer total hektisch durch die Straßen flitzen. Dazu kommt eine ganze Armee an LKWs und Transportern, für Garderobe, Make Up und Requisiten. Im Umkreis von 3 Straßen sind die Parkplätze mit den wichtigen Vehikeln zugestellt nur, weil eine wöchentliche Sendung wie „Notruf Hafenkante“ im kleinen Dönerladen um die Ecke eine Szene drehen will, die im Fernsehen vielleicht 1 Minute dauert, wenn überhaupt.

Teilweise schalte ich bei besagter Serie rein und muss lachen, wenn z.B. plötzlich ein fiktiver Mord in meinem Stammkiosk um die Ecke passiert, oder ein Dieb flüchtet und genau meinen Arbeitsweg nimmt. In Reportagen wird oft und gerne mein Haus- und Hofsupermarkt gezeigt, da dieser mitten auf der Reeperbahn liegt und somit ein völlig anderes Publikum und drastischere Geschehnisse zu berichten hat, als jeder andere Supermarkt.

Ich habe mich an die Filmteams gewöhnt, bin doch auch ich nun irgendwie Teil dieser Maschinerie und werde zu meinem Job im Museum interviewt und gefilmt, manchmal noch rege ich mich darüber auf, wenn Straßen gesperrt sind um Jan Fedder für die Hafenserie einen Kaffee trinken zu lassen, bei dem er natürlich perfekt ausgeleuchtet sein muss. Aber so ist es nun mal, wenn man in einem solch interessanten, wilden, einzigartigen und atemberaubenden Viertel wohnt.

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