Gruselnachtgeschichten

übers Leben, Lieben und Leiden

Wer

Schon früh strebte ich eine künstlerische Karriere an, indem ich goldene und silberne Lackstifte auf der niegelnagel neuen Couch ausprobierte oder mit meinem heißgeliebten roten Filzstift Dinos an die Rauhfasertapete malte. Das alles bevor ich überhaupt wusste was Kunst ist. Oder wie man richtig laufen lernt.

Nachdem meine Sangesambitionen darin endeten, dass sich meine stimmliche Künste ausschließlich auf die Dusche und die qualitative Tonverbesserung durch das Prasseln um mich herum und das schraulende Badradio begrenzte, fröhne ich diesem Hobby nur noch beim Arbeiten. Laut, schrill, im Ton völlig daneben aber dafür inbrünstig und mit voller Leidenschaft.

Ein Stern in der Modebranche zu werden stand auch hoch auf meiner Liste, darum machte ich ein Fachabitur im Bereich Modedesign und Gestaltung, doch während des Abis fand ich dann meine große Liebe.Er war etwas wortkarg und fremd, ziemlich eingebrödlerisch und man musste sich erst an ihn gewöhnen, aber er war der einzig Wahre: Photoshop. Ich wurde ein Bildbearbeitungsjunkie und schon schnell standen noch einige äußerst interessante Gesellen vor meiner Tür: InDesign, Illustrator und viele weitere Mitglieder der Adobe-Familie. In Eigenregie brachte ich mir die Funktionalitäten und den Umgang mit diesen Programmen bei und hatte nun nach einigen ambitionierten Karriereplänen endlich ein klares Ziel vor Augen: Ich werde Designerin!

Ich packte meine sieben Sachen (ok, es war ein voller VW-Kombi) und zog nach Hamburg, mitten rein ins Kult-Viertel St. Pauli. Hier studierte ich »Kommunikationsdesign und neue Medien« an der Design Factory International, machte meinen Abschluss mit einer Auszeichnung und arbeite dann als Freelance Designerin.

Das Leben änderte meine Karrierepläne erneut, als ich eines Tages in ein Kuriositätenkabinett stolperte. Es war bis zur Decke mit ausgestopften Tieren, afrikanischer Voodoo-Kunst, großen Fetisch-Figuren und vielen weiteren faszinierenden Sachen. Der Besitzer und ich freundeten uns schnell an und verpasste dem Museum ein komplett neues Corporate Design. Als der Tag kam, an dem das Museum (mit über 300.000 einzelnen Ausstellungsstücken) umziehen musste, bot mir der Besitzer die Stelle als Kuratorin und Kreativleiterin dieses Ortes voller Wunder an. Als Sammlerin von bizarren und kuriosen Dingen, willigte ich natürlich sofort ein und verbrachte die folgenden Monate damit, die Sammlung im Bauch eines Schwimmkrans aufzubauen, zu dekorieren und einzurichten.